Hepatitis B: Patienten und Angehörige über Risiken schlecht informiert

Stuttgart, Mai 2012 - Die chronische Leberentzündung Hepatitis B ist ansteckend und sie kann zu einem tödlichen Leberschaden führen. Doch viele Erkrankte und ihre Angehörigen sind nur unzureichend über die Erkrankung und ihre Folgen informiert, wie eine Umfrage in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2012) zeigt.

Etwa eine halbe Million Menschen sind in Deutschland mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert. Besonders hoch ist die Rate bei Migranten aus Ost- und Südeuropa. Über Sexualkontakte können Erkrankte ihren Lebenspartner anstecken. Bei einer starken Virusvermehrung sollten sie sich behandeln lassen, um das Fortschreiten zur Leberzirrhose und schließlich Leberkrebs zu verhindern. „Auf dem Gebiet der medikamentösen Therapie hat es in den letzten Jahren mit der Entwicklung neuer potenter antiviraler Therapien enorme Fortschritte gegeben“, schreiben Professor Heiner Wedemeyer von der Medizinischen Hochschule Hannover und seine Mitautoren in dem Fachblatt: „Für die Initiierung und Durchführung der Therapie ist die Viruslast von entscheidender Bedeutung.“ Jeder Patient sollte deshalb seine Viruslast kennen. Mit einem Bluttest ist eine Bestimmung jederzeit möglich.

Unter den 312 Patienten mit chronischer Hepatitis B, die einen Fragebogen des Kompetenznetzes Hepatitis beantwortet hatten, kannte jedoch nicht einmal jeder Zweite (44 Prozent) seine aktuelle Viruslast. Bei in der Türkei geborenen Personen, von denen sich viele bereits in ihrer Heimat infiziert haben, war es nur jeder Vierte. Bei den Versicherten von Orts- und Betriebskrankenkassen wusste nur jeder Dritte über die Viruslast Bescheid; Privatversicherte waren besser informiert. „Diese Ergebnisse machen deutlich, dass gerade bei Patienten mit niedrigem Bildungs- und Einkommensniveau vermehrte Anstrengungen unternommen werden müssen, um den Informationsstand dieser Patienten in Hinblick auf den sehr wichtigen Parameter der Viruslast zu verbessern“, fordert Professor Wedemeyer.

Die Umfrage zeigt auch, dass die Erkrankung Auswirkungen auf das Berufsleben hat: 14 Prozent der Patienten verloren im Erkrankungsverlauf ihren Arbeitsplatz, 10 Prozent wurden berentet, 23 Prozent gaben an, es läge bei ihnen eine Minderung der Erwerbstätigkeit aufgrund der Hepatitis vor, berichtet der Leberexperte.

Der Mediziner hat mit seinem Team auch die Angehörigen befragt, die sich über Sexualkontakte leicht bei den Patienten anstecken können, sofern sie nicht wirksam geimpft sind oder sich durch Kondome schützen. „Immerhin 16 Prozent der Lebenspartner waren nicht gegen HBV geimpft“, beklagt Professor Wedemeyer. Von den Geimpften konnte ein Viertel nicht sagen, ob die Impfung auch erfolgreich war, was durch die Bestimmung von Antikörpern möglich ist. Dem Experten zeigt dies, dass „besondere Aufklärungen zur Impfnotwenigkeit dringend erforderlich sind, um weitere Infektionen zu verhindern.“

K. Deterding et al.:
Kenntnisse und Versorgung von Hepatitis-B-Infizierten in Deutschland
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2012: 137 (15): S. 774-780

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