• Reagenzglas mit Hepatitis C-Aufdruck. © by jarun011

    Die Dunkelziffer bei Heaptitis C ist sehr hoch. © jarun011

     

Hepatitis C ausrotten: Sind zielgruppengerechte Strategien die Lösung?

fzm, Stuttgart, August 2018 – Hepatitis C ist seit der Entwicklung neuer antiviraler Medikamente heilbar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich deshalb im Jahr 2016 die Ausrottung dieser Infektionskrankheit bis 2030 zum Ziel gesetzt. 193 Staaten versuchen seither die Zahl der nationalen Neuinfektionen mit dem Virus um 80 Prozent und die Tode durch Hepatitis C um 65 Prozent zu senken. Experten erläutern in „Seminars in Liver Disease“ (Thieme Publishers, Stuttgart. 2018) die Strategie der Mikroelimination, bei der klar definierte Risikogruppen in den Fokus gerückt werden.

Hepatitis C ist weltweit verbreitet. Schätzungen der WHO zufolge sind 71 Millionen Menschen chronisch mit dem Virus infiziert. Das Robert Koch-Institut zählt in Deutschland zwischen 4000 und 5000 Neudiagnosen jährlich. Bisher existiert keine Impfung gegen Hepatitis-C-Viren, die fast ausschließlich durch Blut übertragen werden. Die Krankheit ist jedoch seit der Einführung der Therapie mit direkt antiviral wirksamen Substanzen heilbar. Das Problem: Nur ein Teil der Infizierten ist bekannt und wird einer Therapie zugeführt. Die meisten akuten Infektionen verlaufen mehr oder weniger unbemerkt.

Regierungen, Gesundheitsbehörden und Interessensvertreter sollten sich laut Dr. Jeffrey V. Lazarus und seinen Mitautoren bei ihren Bestrebungen auf klar definierte Bevölkerungsgruppen konzentrieren, anstatt globale oder nationale Kampagnen durchzuführen. Mit der zielgruppengerechten Strategie der Mikroelimination, die sie in „Seminars in Liver Disease“ vorstellen, könnten infizierte Menschen schneller und effizienter identifiziert und behandelt werden. Die Ansprache wird dabei auf die individuelle Lebenssituation der jeweiligen Zielgruppe zugeschnitten. Dieses Vorgehen sei nicht so komplex und nicht so teuer wie umfassendere Maßnahmen, dafür aber erfolgversprechender, so die Autoren.

Ziel solcher Aktionen könnten Kinder infizierter Mütter, Menschen mit Hämophilie oder Dialyse-Patienten sein. Eine weitere Hochrisikogruppe sind Drogenkonsumenten, die sich Drogen spritzen. Sie tragen weltweit zu einem Viertel aller Neuinfektionen bei. Auch in Deutschland sind Drogen injizierende Personen die am stärksten von Hepatitis C betroffene Gruppe. Aufklärung sollte durch Personen erfolgen, die regelmäßig mit der Zielgruppe Kontakt haben. Das können zum Beispiel Ärzte, aber auch Sozialarbeiter oder Mitarbeiter der Drogenhilfe sein. Im Anschluss kann die Diagnose und Behandlung suchtkranker Hepatitis-C-Infizierter mit individuellen Maßnahmen erfolgen.

Bei der Ausrottung eines Virus wie der Hepatitis C spielen Diagnose und Heilung eine entscheidende Rolle, da Prävention durch eine Impfung bisher nicht möglich ist. Je früher die Infektion diagnostiziert und geheilt wird, desto eher wird der Übertragungsweg unterbrochen und Neuinfektionen werden verhindert.

Quellen:
Jeffrey V. Lazarus et al.:
The Micro-Elimination Approach to Eliminating Hepatitis C: Strategic and Operational Considerations.
Seminars in Liver Disease; 2018; 38 (3); S. 181–192

Bulletin des Robert Koch-Instituts: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/Ausgaben/29_18.pdf?__blob=publicationFile

Global health sector strategy on viral hepatitis der WHO:
http://www.who.int/hepatitis/strategy2016-2021/ghss-hep/en/