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    Hundebesitzer leiden bei Herzkrankheiten ihrer vierbeinigen Freunde ganz besonders mit. © Halfpoint bei Fotolia

     

Herzerkrankungen des Hundes schon vor dem Ausbruch behandeln

Baden-Baden, November 2016 – Auch Hunde und Katzen leben Dank des medizinischen Fortschritts und oftmals guter Haltungsbedingungen immer länger. Ähnlich wie beim Menschen spielen daher altersbedingte Erkrankungen des Herzens eine zunehmende Rolle in der Kleintierpraxis. Nun zeichnet sich ein Paradigmenwechsel in der Behandlung dieser Patientengruppe ab: Bislang wurden vierbeinige Herzpatienten in der Regel erst beim Auftreten von Symptomen wie Schwäche oder Atemnot therapiert. Jetzt erlauben Fortschritte in der Diagnostik und Therapie, häufige Herzerkrankungen frühzeitiger zu erkennen. Damit können Tierärzte etwa die typische Herzklappenschwäche bei kleinen Hunden oder die DCM (Dilated Cardiomyopathy) großer Rassen gegebenenfalls noch vor dem Auftreten von Beschwerden behandeln. Dadurch verzögert sich der Krankheitsbeginn und die Patienten leben bei besserer Lebensqualität oftmals länger. Der aktuelle Stand der Kardiologie bei Hund und Katze ist Thema auf den Baden-Badener Fortbildungstagen (BBF) vom 16. bis 18. Februar 2017.

Zu den häufigsten Erkrankungen von über zehnjährigen kleinen Hunden wie Yorkshire Terrier, Dackel oder Zwergpudel gehören Undichtigkeiten der Herzklappen, die sogenannte chronisch degenerative Mitralklappenendokardiose. Große Hunde wie Dobermann, Rottweiler, Irish Wolfshound und große Mischlinge leiden dagegen häufig an einer krankhaften Pumpschwäche der Herzmuskulatur (dilatative Kardiomyopathie, DCM), die zu Leistungseinbußen bis hin zum plötzlichen Herztod führen kann.

Das Problem: Auch wenn die Tiere schon Herzgeräusche, Herzrhythmusstörungen oder eine beginnende Herzmuskelschwäche aufweisen, merken ihnen ihre Besitzer die Erkrankung noch lange nicht an. „Symptome wie deutlich nachlassende Spielfreude, Husten und Atemnot treten erst in einem viel späteren Krankheitsstadium auf“, sagt Dr. med. vet. Jan-Gerd Kresken, Fachtierarzt für Kleintiere mit Zusatzbezeichnungen für Kardiologie, Radiologie und Strahlen¬kunde. „Dann können wir der Krankheit nur noch mit Tabletten hinterherlaufen“, so Kresken, der Leiter der „Tierklinik am Kaiserberg“ in Duisburg ist. Besser für das Tier sei es, durch eine zielgerichtete Therapie im Frühstadium den Krankheitsbeginn so lange wie möglich hinauszuzögern. Die technischen Voraussetzungen für eine Frühdiagnose seien in den letzten Jahren deutlich besser geworden, stellt er fest: „Damit können wir mittlerweile nicht nur die bereits ausgebrochene Erkrankung diagnostizieren, sondern auch schon die subtileren Zeichen der Vorstadien erkennen und entsprechend behandeln.“

Besitzern anfälliger Hunderassen empfiehlt Kresken, die Tiere bereits in jungem Alter etwa bei Routineterminen wie dem Impfen, auf mögliche Herzerkrankungen hin zu untersuchen. Neben Röntgen und EKG mache der Ultraschall hier viel Sinn. Ein erfahrener Ultraschaller könne in einer Sitzung nicht nur das Herzgewebe, sondern auch seine Funktion beurteilen. Das sei für das Tier sehr schonend. Dabei komme es jedoch auf die Kunst des korrekten Messens sowie die Interpretation der Ergebnisse an. Dies setze ein profundes Wissen und moderne Geräte voraus: „Man braucht viel Erfahrung und muss viel gesehen haben.“

„Der Trend geht dahin, die Tiere schon beim Auftreten von Herzgeräuschen, aber noch vor dem Sichtbarwerden klinischer Krankheitssymptome zu behandeln“, ist sich Kresken sicher. Derzeit liefen viele Studien, die das Thema weiter vertiefen, berichtet er. Und der Bedarf für eine frühzeitige Diagnose und Therapie sei da: „Gerade bei Herzerkrankungen leiden die Besitzer besonders mit.“ Und er ergänzt: „Es gibt heute viele Tierbesitzer, die von uns die bestmögliche Medizin für ihr Tier verlangen.“

Auf den Baden-Badener Fortbildungstagen (BBF) vom 16. bis 18. Februar 2017 erfahren Teilnehmer unter anderem, was differenzierte Ultraschalldiagnostik heute leisten kann und wie man Ultraschallbilder vermisst und auswertet. Mehr darüber schon jetzt im Kongressvideo (Dauer: 2:00 Min.) mit Jan-Gerd Kresken unter https://youtu.be/zlsTVr9TO7Y.

Auf dem größten Kleintierärztekongress in Süddeutschland, den BBF Baden-Badener Fortbildungstagen (www.bbf-kleintierkongress.de), treffen sich seit 29 Jahren rund 1000 Kleintierärzte in der Kurstadt Baden-Baden. Sie finden vom 16. bis 18. Februar 2017 in Baden-Baden statt.

Terminhinweise:

Vorträge zum Thema Kardiologie bei Hund und Katze auf den BBF 2017
mit Jan-Gerd Kresken, Markus Killich, Andreas Stosic

Ort: Kongresshaus Baden-Baden
Adresse: Augustaplatz 10, 76530 Baden-Baden

Seminar Herzultraschall
Donnerstag, 16.2.2017, 9.00–18.00 Uhr

Vorträge up2date
• AV Klappenerkrankungen 2.0 – aktuelle Studienergebnisse
• Diagnostik und Therapie der subklinischen DCM
• Früherkennung und Therapie kongenitaler Missbildungen
• Kardiologische Sprechstunde: spannende und knifflige Fälle
Freitag, 17.2.2017, 14.00–18.00 Uhr

Vorankündigung Publikation:

Praxis der Kardiologie Hund und Katze
Kresken/Wendt/Modler
Februar 2017.
Ca. 460 S., ca. 455 Abb., geb.
ISBN 978-3-13-219421-2, Enke Verlag
Ca. 99,90 EUR (D); 102,60 EUR (A)