Eine zusätzliche Belastung: Viele Herzpatienten leiden unter Angststörungen

fzm, Stuttgart, Februar 2015 – Die Angst, in der viele Menschen mit schweren Herzkrankheiten leben, verschlechtert nicht nur die Lebensqualität, sondern greift Herz und Kreislauf zusätzlich an. Eine Gruppe von Psychokardiologen spricht sich deshalb in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2015) für eine Psychotherapie von Herzpatienten aus.

Wie sehr ein drohender Herztod die Psyche erschüttern kann, erläutert die Diplom-Psychologin Maxie Bunz, Klinik für Innere Medizin III an der Uniklinik in Homburg/Saar, zusammen mit ärztlichen Kollegen am Beispiel eines Patienten: Der 55-jährige Mann war mit einem Kreislaufkollaps auf der Straße zusammengebrochen. Auslöser waren Elektroschocks aus einem implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD), den der Mann seit einem früheren Herzinfarkt trug. Der spezielle Herzschrittmacher rettet dem Mann zwar das Leben. Die Elektroschocks versetzten seiner Psyche jedoch einen Schlag. Aufgrund der ständigen Erinnerungen und aus Angst, in eine ähnliche Situation zu geraten, traute sich der Mann nicht mehr, sein Haus zu verlassen, berichtet Bunz.

Die konsultierten Psychologen diagnostizierten eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), von der sich der Mann erst nach einer speziellen Psychotherapie erholte. Die Psychologen haben dem Patienten nicht nur den Lebensmut zurückgegeben. Die Autoren sind sicher, dass dies auch ein wichtiger Beitrag zur Behandlung des Herzleidens war. Studien hätten gezeigt, dass Herzkranke mit einer PTBS innerhalb eines Jahres mehr als doppelt so häufig erneut in einem Krankenhaus behandelt werden als andere Patienten: Der Anlass für die Einweisung ist dann aber nicht die psychische Erkrankung, sondern das Herzleiden.

Psychische und organische Leiden bedingen sich gegenseitig: Auf der einen Seite gilt als gesichert, dass psychosozialer Stress das Risiko für eine koronare Herzerkrankung und damit das Herzinfarktrisiko erhöht. Auslöser können Probleme am Arbeitsplatz, häufige Schichtarbeit oder eine Doppelbelastung durch Familie und Beruf sein. Auf der anderen Seite beobachten Kardiologen, dass die Herzkrankheit bei ihren Patienten zu psychischen Störungen führen. Patienten mit chronischer Herzschwäche leiden häufig unter Depressionen, nach einem Herzinfarkt kann eine PTBS entstehen. Besonders feinfühlig reagieren Menschen mit Herzrhythmusstörungen. Nach einer ersten Attacke versetzt sie jede Änderung des Herzschlags in Panik. Die Freisetzung von Stresshormonen führt zu einem Anstieg von Blutdruck und Pulsschlag, der dann der Auslöser für eine echte Herzrhythmusstörung ist. Die Autoren sprechen von einem Teufelskreis der Angst. Um ihn zu verhindern, raten die Herzexperten ihren Patienten immer häufiger zu einer psychotherapeutischen Behandlung.

M. Bunz et al.:
Psychokardiologie: Wie Herz und Psyche zusammenhängen
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2015; 140 (2); S. 117-124