Plötzlicher Herztod: Kardiologe rät Sportlern ab 35 Jahren zur Vorsorgeuntersuchung

fzm, Stuttgart, November 2014 – Viele Menschen, die mit 35 oder 40 Jahren den Sport neu für sich entdecken, sind besorgt, ob ihr Körper den Belastungen eines Marathon oder anderer Sportarten noch gewachsen ist. Medienberichte über plötzliche Todesfälle tragen hier zur Verunsicherung bei. Ein Sportmediziner rät in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2014) zu vorbeugenden Maßnahmen: Jeder ältere Freizeitsportler sollte einmal im Jahr zum Herz-Check.

Ein plötzlicher Herztod beim Sport ist selten. Nach einer Untersuchung aus Frankreich kommen auf eine Million Einwohner im Durchschnitt drei Todesfälle pro Jahr. Doch das Risiko steigt mit dem Alter. Bei den 55- bis 75-Jährigen waren es bereits 7,5 Todesfälle pro Million Einwohner. Meistens sind es Männer. Frauen sind nach den Statistiken 15 bis 20 mal seltener betroffen, berichtet Privatdozent Dr. Roman Leischik. Der Sportmediziner aus Hagen hält an der Universität Witten-Herdecke Vorlesungen im Lehrfach Prävention, Gesundheitsförderung und Sportmedizin.

Der Tod ist in der Regel Folge eines Sportlerherzens oder einer Herzrhythmusstörung. Als Sportlerherz bezeichnen Kardiologen eine Vergrößerung des Herzmuskels. An sich ist das Sportlerherz nicht bedenklich. Der Herzmuskel passt sich durch eine Vergrößerung an die gesteigerte Leistung an. Einige Menschen mit Sportlerherz sind jedoch anfällig für Herzrhythmusstörungen oder andere Veränderungen, mit denen dann die Gefahr eines plötzlichen Herztodes steigt. Diese Störungen können durch eine kardiologische Untersuchung rechtzeitig erkannt werden, schreibt Dr. Leischik.

Die bisherigen Leitlinien greifen nach Ansicht des Experten jedoch zu kurz. Empfohlen wird lediglich eine körperliche Untersuchung und eine Anamnese, die Befragung zu aktuellen oder früheren Erkrankungen, auch in der Familie. Diese Konzepte mögen für jugendliche Sportler in der Vergangenheit genügt haben, so Dr. Leischik. Für die heutigen Verhältnisse seien sie jedoch nicht mehr hinreichend.

Der Kardiologe rät allen älteren Freizeitsportlern – und die Altersgrenze setzt er bereits bei 35 Jahren an – zu einer Eingangsuntersuchung. Dabei führt er eine Ultraschalluntersuchung des Herzmuskels, ein Belastungs-EKG, einen Lungenfunktionstest und eine Blutuntersuchung durch. Beim „Herzecho“ beurteilt der Sportmediziner nicht nur die Größe von Herzkammern und Vorhöfen und die Herzklappenfunktion. Auch der Herzschlag liefert Hinweise auf ein mögliches kardiales Risiko. Das EKG zeigt, ob die Herzaktion unter Belastung regelmäßig ist oder sich eine schwere Herzrhythmusstörung abzeichnet. Der Lungenfunktionstest gibt Hinweise auf die Fitness des Patienten und seine Grenzen der Belastbarkeit. Die Blutuntersuchung kann Risikofaktoren für eine Verengung der Herzkranzgefäße aufzeigen. Wenn die „älteren“ Sportler das „OK“ für den Sport erhalten haben, sollten sie sich jährlich einer Routinekontrolle mit Echokardiographie und einem Belastungstest unterziehen.

Die Untersuchungen sind aufwändig, doch die Krankenkassen unterstützen die Vorsorge häufig. Sportmedizinische Belastungsuntersuchungen in Deutschland werden nach Erfahrung von Dr. Leischik mittlerweile bis zu 80 Prozent auch durch die gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst.

R. Leischik et al.:
Kardiovaskuläre Vorsorge im Breitensport, ambitionierten Freizeitsport und Wettkampfsport über das 35. Lebensjahr hinaus
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2014; 139 (43); S.2188-2194