HIV: Experten fordern Ausweitung der Resistenztests

fzm – Mit Medikamenten kann heute das Fortschreiten einer HIV-Erkrankung zur tödlichen Immunschwäche Aids verhindert werden. Die Medikamente können aber ihre Wirkung verlieren, wenn die Viren durch genetische Mutationen resistent geworden sind. Die Leitlinien deutscher und internationaler Fachverbände fordern deshalb ausführliche Resistenztests. Die Empfehlungen gehen nach einer Übersicht in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) über das hinaus, was in Deutschland derzeit durch die Krankenkassen bezahlt wird.

Resistenztests sind kostspielig. Selbst die günstigen genotypischen Tests kosten mehrere hundert Euro. Bei ihnen bestimmen die Forscher in einer Blutprobe mittels Gensonden, ob bekannte Mutationen in den Viren vorliegen. Wesentlich aufwändiger wären sogenannte phänotypische Tests, bei denen im Labor die Wirksamkeit einzelner Medikamente gegen Viren der Patienten untersucht wird. Darauf kann aber in der Regel verzichtet werden. Nur bei umfangreich vorbehandelten Patienten kann eine phänotypische Testung notwendig werden, betont das Team um Privatdozent Dr. Mark Oette vom Krankenhaus der Augustinerinnen in Köln: Bei den meisten Patienten liefern genotypische und phänotypische Tests vergleichbare Ergebnisse.

Die Resistenztests wurden anfangs nur nach einem Therapieversagen durchgeführt - wenn die Viruslast im Blut trotz zuverlässiger Einnahme der Medikamente zunahm und die Immunabwehr zusammenzubrechen drohte. Seit September 2005 gestattet der Gemeinsame Bundesausschuss, der festlegt, welche Leistungen die Krankenkassen finanzieren müssen, die Tests auch vor einer Therapie - allerdings nur, wenn die Gefahr einer Resistenz erhöht ist. Das ist beispielsweise bei Patienten der Fall, die sich bei Personen angesteckt haben, die mit Medikamenten gegen HIV behandelt werden, oder die in einer Region leben, in der bei anderen Patienten viele Resistenzen beobachtet werden.

Die Fachverbände in Deutschland, in Europa und in den USA fordern dagegen, dass bei allen Patienten eine genotypische Resistenztestung durchgeführt wird. HIV-Experte Oette: Gemäß der geltenden Deutsch-Österreichischen Leitlinie sollte vor jeder erstmaligen Therapieeinleitung ein genotypischer Resistenztest erfolgen, um mit dem passenden Medikament einen optimalen Therapieerfolg zu gewährleisten. Ähnlich äußerte sich auch die International AIDS Society–USA in einer aktuellen Leitlinie. Die European AIDS Clinical Society und das US-Department of Health and Human Services gehen sogar noch einen Schritt weiter: Sie raten, die Tests in der ersten zur Verfügung stehenden Blutprobe durchzuführen und zwar auch dann, wenn zu diesem Zeitpunkt noch keine Therapie vorgesehen ist.

Eine Resistenzentwicklung ist mithilfe der Tests vermeidbar, glaubt Dr. Oette. Sie ermöglichen es unter Beachtung von Begleitmedikamenten und Begleiterkrankungen der Patienten zu Beginn der Therapie die optimalen Medikamente auszuwählen. Wichtig sind aus Sicht des Experten auch die Kontrolle der Medikamentenkonzentration im Blut und die Bereitschaft der Patienten, die verordneten Medikamente regelmäßig einzunehmen.

M. Oette et al.:
Empfehlungen zum leitliniengerechten Einsatz der HIV-Resistenztestung.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (46): S. 2342-2345

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