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Höhenaufenthalte in den Anden: Tipps für Reisende

Berlin/Düsseldorf, Februar 2017 – Reisen nach Südamerika weisen ein prozentuell zweistelliges Wachstum auf, so eine Auswertung des Deutschen Reiseverbandes DRV. Aufgrund der Geografie der Länder – ein rascher und steiler Anstieg vom Meer sowie die Höhenlage verschiedener Großstädte wie Cusco und Arequipa in Peru, La Paz in Bolivien und Quito in Ecuador – tritt bei Besuchern relativ häufig die sogenannte Hö-henkrankheit auf. Über aktuelle Erkenntnisse der Höhenmedizin sowie Vorsorge-möglichkeiten für Reisende sprechen Experten des CRM Centrums für Reisemedizin auf der Pressekonferenz am 10. März in Berlin sowie auf dem 18. Forum Reise und Gesundheit im Rahmen der ITB.

„Die Höhenkrankheit entsteht durch Sauerstoffmangel und tritt oftmals dann auf, wenn Reisende nicht ausreichend akklimatisiert sind“, erklärt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrums für Reisemedizin. Der Sauerstoffmangel wird durch den abnehmenden Luftdruck, den sogenannten Sauerstoffpartialdruck, verursacht, der mit ansteigender Höhe auftritt. Der Sauerstoffpartialdruck sorgt dafür, dass das Gas von der Lunge in die feinen Lungenkapillaren gelangt.

Die häufigste und mildeste Form der Höhenkrankheit ist die Acute Mountain Sickness (AMS) mit den typischen Symptomen Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Appetit- und Schlaflosigkeit sowie leichte Atemnot. Die AMS tritt frühestens vier Stunden nach einem zu schnellen Höhengewinn ein. Sie erreicht ihr Maximum nach ein bis zwei Tagen. „Die Behandlung besteht darin, nicht weiter in die Höhe zu steigen. Dann klingt die AMS in der Regel nach zwei bis drei Tagen ab“, erklärt der Experte. Halten die Symptome dennoch an, sollten Betroffene die Höhe verlassen.

Bei der schweren akuten Höhenkrankheit verschlechtern sich die Symptome trotz Ruhe-phase. Atemnot und Husten nehmen zu und können zu einem Höhenlungenödem führen. Ein Höhenhirnödem tritt entweder zeitgleich oder alleine auf. Symptome sind hier langsam zunehmende Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Trägheit, Gleichgewichtsstörrungen, schwallartiges Erbrechen und eine Bewusstseinstrübung. „Hier hilft nur der sofortige Abstieg“, so Professor Jelinek. Steht Sauerstoff zur Verfügung, sollten vier bis fünf Liter gegeben werden.

Selbst vollständig gesunde und trainierte Menschen können Symptome einer Höhen-krankheit entwickeln, wenn sie zu rasch in Höhen über 2000 Meter aufsteigen. So verspü-ren beispielsweise zehn bis 25 Prozent der Bergsteiger in Höhen von 2500 Metern erste Symptome; in einer Höhe von 4500 bis 5000 Höhenmetern weisen 50 bis 85 Prozent Symptome auf.

Beste Vorbeugung der Höhenkrankheit ist eine langsame Akklimatisation, also ein lang-sames Gewöhnen an die Höhe. Sinnvoll ist beispielsweise eine Vorab-Akklimatisation. „Darunter versteht man einen mindestens fünfmaligen, kurzen Aufenthalt in Höhen über 3000 Metern, drei Monate vor der Abreise“, erläutert Professor Jelinek. Für die meisten Reisenden ist dies jedoch zeitlich nicht möglich. Hinzu kommt, dass in Südamerika viele Flugziele bereits über 2500 Meter liegen – der Flughafen von Quito in Ecuador liegt auf 2850 Metern, La Paz in Bolivien hat mit El Alto den höchsten Flughafen der Welt auf 4200 Metern. Auch daher ist eine langsame Akklimatisation oft schwierig umzusetzen. „Wir raten allen Reisenden dazu, die ersten Tage in größerer Höhe zur Akklimatisation zu nut-zen, mit wenig Bewegung, viel Flüssigkeit und ausreichend Schlaf“, so der Experte. Auch eine medikamentöse Vorbeugung sei unter genau abzuwägenden Umständen möglich, sollte von Laien aber nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden: „Es besteht teilweise die Gefahr, dass der Ausbruch einer Höhenkrankheit nur verzögert wird, und somit vor allem die Warnzeichen des Körpers ausgeschaltet werden“, betont Professor Jelinek.

Wer nach der Akklimatisation in den Anden zum Trekking und Bergsteigen aufbricht, sollte ein paar einfache Regeln beachten: Bei Mehrtagestouren sollte beispielsweise der Schlafplatz immer niedriger liegen als der höchste Punkt der Tagesetappe und der Schlaf-höhengewinn sollte nicht mehr als 300 bis 500 Höhenmeter pro Tag betragen.

Was Reisende mit Vorerkrankungen vor einem Aufenthalt in großer Höhe beachten sollten und welche Gesundheitsvorsorge alle Touristen und Geschäftsreisenden vor ihrem Südamerika-Besuch treffen sollten, darüber sprechen die Experten des CRM Centrums für Reisemedizin auf der Pressekonferenz am 10. März und in den Veranstaltungen des 18. Forum Reise und Gesundheit „Reisen nach Südamerika“ (10. und 11. März 2017).

Terminhinweis

18. Forum Reisen und Gesundheit im Rahmen der ITB 2017 „Reisen nach
Südamerika“(10. bis 11. März 2017), Berlin
Medizinische Aspekte von Höhenaufenthalten in den Anden, R. Fischer

Datum: Freitag, 10. März, 14.15 bis 14.45 Uhr
Ort: CityCube Berlin, Messedamm 26/ Ecke Jafféstraße, 14055 Berlin