Ärzte unterstützen HPV-Impfung: Schutz nicht nur vor Gebärmutterhalskrebs

Stuttgart, Juni 2010 – Mädchen im Alter von neun bis 16 Jahren sollten sich gegen humane Papillomaviren (HPV) impfen lassen, was sie aber als erwachsene Frau nicht von der jährlichen Krebsfrüherkennung beim Gynäkologen befreit. Dies empfiehlt die Arbeitsgruppe HPV-Management-Forum in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010) in einer neuen Leitlinie.

Die Impfung ist nach Einschätzung der Experten hochwirksam. Die beiden zugelassenen Impfstoffe Gardasil® und Cervarix® schützen vor Infektionen mit den Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18. Diese sind für die Mehrzahl aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs, in der Fachsprache Zervixkarzinom genannt, verantwortlich. An einem Zervixkarzinom erkranken in Deutschland jährlich 6500 Frauen, von denen etwa 1600 sterben. Das HPV-Management-Forum um Professor Gerd Gross vom Universitätsklinikum Rostock schätzt, dass die Impfung 70 Prozent der Zervixkarzinome verhindern kann. Darüber hinaus würden rund 40 Prozent der Krebserkrankungen am äußeren Genital und der Scheide verhindert. Diese sind seltener sind als der Gebärmutterhalskrebs.

Da das Zervixkarzinom auch durch andere HPV-Typen ausgelöst werden kann, sollten die geimpften Mädchen als erwachsene Frauen unbedingt an der jährlichen Krebsvorsorgeuntersuchung teilnehmen, raten Professor Gross und Co-Autoren. Da die Impfstoffe erst seit wenigen Jahren eingesetzt werden, ist die Dauer des Impfschutzes derzeit noch unklar. Für die ersten fünf Jahre sei jedoch bereits eine 100-prozentige Effektivität nachgewiesen, so der Experte.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts empfiehlt die HPV-Impfung für Mädchen von 12 bis 17 Jahren. Das HPV-Management-Forum rät bereits ab dem Alter von neun Jahren dazu. Da die Viren sexuell übertragen werden, sollte die Impfung möglichst vor dem ersten Sexualkontakt vollständig abgeschlossen sein. Für einen frühen Beginn der Impfung sprächen die geringere Chance, dass die Mädchen bereits infiziert sind, die bessere Impfstoffwirkung bei Jüngeren sowie die bessere Erreichbarkeit der Zielgruppe im Rahmen der Routineimpfungen bei Kindern. Sicherheitsprobleme oder eine schlechtere Verträglichkeit bei jüngeren Mädchen sehen die Experten nicht.

Ein Virustest vor der Impfung ist aus Sicht der Arbeitsgruppe unsinnig. Eine umfassende HPV-Testung im Alter ab 18 Jahren würde nur zu einer Verunsicherung von Frauen und Ärzten führen, befürchten Professor Gross und Kollegen.

Anders als Cervarix® schützt die Impfung mit Gardasil® auch vor den Niedrigrisiko-HPV-Typen 6 und 11, die für 90 Prozent aller Feigwarzen im Genitalbereich verantwortlich sind. Diese sind den Autoren zufolge die weltweit häufigste virale sexuell übertragene Krankheit. In Deutschland sollen rund ein Prozent aller Personen zwischen 15 und 49 Jahren davon betroffen sein. Genitalwarzen seien zwar gutartig, sie könnten die Frauen jedoch psychisch stark belasten, bemerkt Professor Gross. Er verweist auf Erfahrungen aus Australien. Nach der Einführung von Gardasil® sei der Anteil der Genitalwarzen an allen sexuell übertragbaren Erkrankungen, die am „Melbourne Sexual Health Centre” bei Frauen unter 28 Jahren diagnostiziert wurden, um 48 Prozent gesunken. Das HPV-Management-Forum rät deshalb auch aus diesem Grund zu einer Impfung, während die STIKO eine derartige Empfehlung bisher nicht ausgesprochen hat.

Hoch- und Niedrigrisiko-HPV-Typen sind auch für die Larynxpapillomatose, das sind gutartige Tumore im Kehlkopf, sowie für Krebserkrankungen der Mundschleimhaut und Rachen, am Penis und im Analbereich verantwortlich. Die Experten gehen davon aus, dass die beiden Impfstoffe auch vor diesen Erkrankungen schützen, obwohl dies bisher nicht in Studien untersucht worden sei.

Das HPV-Management-Forum ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Ärzten. Es wird von der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V. in Frankfurt finanziell gefördert. Das Forum hat sich zum Ziel gesetzt, die Impfempfehlung umzusetzen und eine möglichst hohe Durchimpfungsrate zu erreichen. Die Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V. ist nicht identisch mit dem staatlichen Paul-Ehrlich-Institut in Langen, das für die Prüfung und Freigabe von Impfstoffen und biomedizinischen Arzneimittel zuständig ist.

G. Gross et al. (für das HPV-Management Forum):
Die Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien – eine Zusammenfassung der deutschen S3-Leitlinie.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2010; 135 (21): S. 1083-1086

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