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Dengue: Bislang kein Impfstoff für Touristen vorhanden

Berlin/Düsseldorf, Februar 2018 – Jedes Jahr erkranken Touristen aus Deutschland auf Reisen nach Fernost oder in die Karibik am Dengue-Fieber. Seit dem letzten Jahr gibt es einen Impfstoff, weitere sind in der Entwicklung. Über den aktuellen Stand berichtet ein Experte anlässlich des 19. Forums Reisen und Gesundheit des CRM Centrum für Reisemedizin im Rahmen der ITB 2018.

Dengue ist eine Virusinfektion, die durch Mücken, allen voran der Gelbfiebermücke Aedes aegypti, übertragen wird. „Meist kommt es nur zu einem mehrtägigen Fieber, begleitet von Kopf- und Gliederschmerzen und manchmal auch zu einem Hautausschlag“ berichtet Professor Dr. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg: „Die Patienten erholen sich von selbst, viele ahnen nicht, dass sie am Dengue-Fieber erkrankt waren.“

Es gibt aber auch schwere, zum Teil tödliche Verlaufsformen mit starken Blutungen. Dieses „hämorrhagische“ Dengue-Fieber kann zum lebensgefährlichen Kreislaufversagen führen. „Solche Komplikationen sind bei Touristen glücklicherweise selten“, berichtet Professor Schmidt-Chanasit, Referent des Forums Reisen und Gesundheit. Dem Robert Koch-Institut wurden 2016 insgesamt 956 Erkrankungen am Dengue-Fieber gemeldet. Darunter waren nur vier „hämorrhagische“ Erkrankungen. Alle vier Patienten überlebten.

Dennoch sollte man sich als Tourist schützen. „Die Moskitos halten sich in der Nähe der Siedlungen auf, kommen aber auch in die Häuser“, so Professor Schmidt-Chanasit: „Sie stechen tagsüber und auch nachts, wenn das Licht an ist.“ Den besten Schutz bieten Repellentien und eine Bekleidung, die Arme und Beine bedeckt.

Seit dem letzten Jahr gibt es einen Impfstoff. „Dengvaxia wurde in fünf Ländern Asiens und in fünf Ländern Lateinamerikas in Studien mit mehr als 30.000 Teilnehmern getestet“, berichtet Professor Schmidt-Chanasit. Die Schutzwirkung lag bei etwa 60 Prozent. Dennoch kommt der Impfstoff für Touristen nicht infrage. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt ihn nur für Länder, in denen mehr als 70 Prozent der Bevölkerung Antikörper gegen Dengue-Viren hat.

Diese Beschränkung hat einen guten Grund. Der Nachweis von Antikörpern zeigt an, ob sich die Betroffenen bereits einmal mit Dengue-Viren infiziert haben. Hierbei verläuft die erste Infektion in der Regel ohne Komplikationen. Zum „hämorrhagischen“ Fieber kommt es erst bei einer weiteren Infektion. „An dem schweren Verlauf sind die Antikörper, die sich nach der ersten Infektion gebildet haben, nicht ganz unschuldig“, erläutert Professor Schmidt-Chanasit: „Es gibt vier verschiedene Dengue-Viren, und die Antikörper, die vor einem der vier Viren schützen, können die Erkrankung durch die anderen Viren manchmal verstärken.“

Auch nach der Impfung mit Dengvaxia werden Antikörper gebildet. Derzeit wird diskutiert, ob diese Antikörper ebenfalls spätere Infektionen mit anderen Dengue-Viren verstärken können.

Dass dies keine rein theoretischen Überlegungen sind, hat sich in den Philippinen gezeigt. Dort ist es bereits im November letzten Jahres zu schweren Komplikationen nach der Impfung mit Dengvaxia gekommen. Nach Todesfällen in diesem Jahr musste die Impfkampagne sogar abgebrochen werden.

„Dengvaxia kann aufgrund dieser Probleme nur mit starken Einschränkungen empfohlen werden“, sagt Professor Schmidt-Chanasit. Weitere Impfstoffe sind jedoch in der Entwicklung. Darunter ein Impfstoff, der Antikörper gegen alle vier Dengue-Viren bildet. „TV003/TV005“ und derzeit in größeren Studien getestet wird. Die Ergebnisse stehen noch aus. Professor Schmidt-Chanasit erklärt: „Vielleicht gibt es in einigen Jahren einen Impfstoff, der auch für Touristen geeignet ist.“ Über den aktuellen Stand informiert auf dem 19. Forum Reisen und Gesundheit das Symposium „Dengue-Impfstoffe: Aktueller Stand der Entwicklung“ am 10. März 2018. Weitere Informationen finden Sie hier: http://www.crm.de/itb2018/index.html