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    Zu den am meisten gefürchteten Erregern von Blutstrominfektionen gehört das Bakterium Staphylococcus aureus. © analysis121980/ Adobe.Stock.com

     

Infektiologisches Konsil verbessert Prognose bei Blutstrominfektion

fzm, Stuttgart, September 2018 – Die Vermehrung von Bakterien im Blut kann innerhalb weniger Tage zum Tod führen. Die Überlebenschance der Patienten steigt, wenn sich die Ärzte im Krankenhaus von ausgebildeten Infektiologen beraten lassen. Dies zeigen die Erfahrungen am Universitätsklinikum Jena, die jetzt in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2018) vorgestellt werden.

Zu den am meisten gefürchteten Erregern von Blutstrominfektionen gehört das Bakterium Staphylococcus aureus. Es befindet sich bei vielen Menschen auf der Haut oder auf den Schleimhäuten vorhanden. Wenn es über Wunden oder Venenkatheter ins Blut gelangt, kann es zu einer Bakteriämie, einer starken Vermehrung der Bakterien, kommen. Zwischen zehn und 40 Prozent der Patienten sterben infolgedessen. Deshalb ist ein schnelles und konsequentes Handeln seitens der Ärzte gefragt.

Am Universitätsklinikum Jena gibt es deshalb bereits seit einigen Jahren ein Team von Infektiologen, das die Ärzte bei der Behandlung von Blutstrominfektionen berät. Seit Mai 2014 wird dieser infektiologische Konsil-Dienst umgehend informiert, wenn das Institut für Mikrobiologie das Bakterium in der Blutkultur eines Patienten nachweist. Zuvor mussten die verantwortlichen Ärzte die Beratung explizit anfordern.

Unter der Leitung von Professor Mathias Pletz, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene in Jena, haben Wissenschaftler nun die Wirksamkeit dieser Maßnahme überprüft. Hierzu werteten sie die Daten von 297 erwachsenen Patienten aus, die zwischen Dezember 2012 und August 2015 eine Staphylococcus-aureus-Bakteriämie (SAB) entwickelt hatten. Demzufolge sind von den 138 Patienten, bei denen die Ärzte kein Konsil anforderten, 31 (22,5 Prozent) in der Klinik gestorben. Von den 158 Patienten, bei denen die Ärzte von den Experten unterstützt wurden, starben nur 17 Patienten (10,7 Prozent). Darüber hinaus legt die Studie nahe, dass die Überlebenschance der Patienten sich erhöht, wenn alle Empfehlungen der Experten umgesetzt werden.

Die Experten raten beispielsweise dringend dazu, zwei bis vier Tage nach der Antibiotikagabe das Ansprechen der Therapie durch eine Blutkultur zu prüfen, um eine mögliche Resistenz ausschließen zu können. Hinzu komme, dass die Bakterien häufig die Herzklappen befallen. Diese Infektion, Endokarditis genannt, ist eine lebensgefährliche Komplikation der Bakteriämie, die am besten durch eine Ultraschalluntersuchung erkannt werde. Weiterhin fordern die Infektiologen, dass innerhalb von 72 Stunden alle infizierten Fremdkörper aus dem Körper entfernt werden. Dies können Katheter, aber auch künstliche Gelenke sein. „Des Weiteren sollte eine hochdosierte, intravenöse Therapie über mindestens 14 Tage erfolgen. Bei Infektionen mit methicillin-sensiblen Staphylococcus-aureus-Isolaten sollten nur Flucloxacillin oder Cefazolin verabreicht werden. Auch wenn andere Antibiotika ebenfalls sensibel getestet wurden“, empfehlen die Infektiologen

„Unsere Daten werden durch andere retrospektive Studien gestützt, die ebenfalls belegen, dass infektiologische Konsile bei Patienten mit Staphylococcus-aureus-Bakteriämie das Behandlungsergebnis verbessern. Diese gesicherte Erkenntnis steht im Widerspruch zur derzeitigen Versorgungsrealität, die durch einen Mangel adäquat ausgebildeter Infektiologen gekennzeichnet ist“, erklären die Experten abschließend.

A. Kimmig et al.:
Infektiologische Konsile bei Patienten mit Staphylococcus-aureus-Bakteriämie – eine retrospektive Beobachtungsstudie am Universitätsklinikum Jena
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2018, online erschienen am 31.8.2018