Schonendere Therapie auf Intensivstation: Maskenbeatmung vermeidet Intubation

Stuttgart, März 2009 – Den Anblick von Patienten, die auf Intensivstation über einen Tubus beatmet werden, empfinden viele Menschen als abschreckend. Manche schließen diese Möglichkeit für sich sogar per Patientenverfügung aus. Mittlerweile kommen Ärzte immer häufiger ohne diese Form der Beatmung aus. Viele Patienten, die früher hätten intubiert werden müssen, können heute mit einer Atemmaske oder einem Beatmungshelm versorgt werden. Diese nichtinvasive Beatmung ist risikoärmer und kann auch außerhalb von Intensivstationen durchgeführt werden, berichtet ein Experte in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009).

Die Maskenbeatmung ist für die Patienten schonender, weil sie Verletzungen des Kehlkopfes und Infektionen vermeidet, die bei intubierten Patienten immer wieder auftreten. Die Patienten benötigen weniger oder keine Beruhigungsmittel und sind deshalb besser ansprechbar, schreibt Professor Bernd Schönhofer vom Krankenhaus Oststadt-Heidehaus in Hannover, der zu den Autoren einer jüngst erschienenen Leitlinie zur nichtinvasiven Beatmung gehört.

Die Intensivmediziner bevorzugen sie bei Patienten, bei denen die Atemmuskeln nicht genügend Sauerstoff in die Lungen befördern. Eine häufige Ursache ist der Raucherhusten, bei dem oft nach Infektionen die Bronchien akut verengt sind. Die Ärzte sprechen von einer Verschlimmerung, in der Fachsprache Exazerbation genannt, einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Die nichtinvasive Beatmung kann hier die Atemmuskeln entlasten. Sie hat in beeindruckender Weise die Sterblichkeit gesenkt, berichtet Professor Schönhofer. Vielen Patienten bleibt die Intubation erspart, einige könnten sogar auf Normalstationen behandelt werden.

Die Intensivmediziner setzen die nichtinvasive Beatmung auch bei Patienten ein, die nach Operationen oder einer Untersuchung der Bronchien, beispielsweise einer Bronchoskopie, vorübergehend unter Atemnot leiden. Und für Patienten, die per Verfügung eine Intubation ablehnen, ist die Atemmaske häufig eine akzeptable Alternative. Ihre Grenzen sieht Professor Schönhofer bei Patienten mit Lungenentzündung oder anderen Erkrankungen, bei denen der Gasaustausch in den Lungenbläschen gestört ist. Die Versagerquote der nichtinvasiven Beatmung sei hier leider noch zu hoch, so der Experte.

Auch Menschen, die nach Hirnverletzungen oder aufgrund von Nervenleiden oder Muskelschwäche dauerhaft beatmet werden müssen, können heute in vielen Fällen mit Geräten zur nichtinvasiven Beatmung versorgt werden. Die Behandlung erfolgt häufig zuhause und die Ärzte raten heute frühzeitig dazu, da sich die Lebensqualität deutlich bessern kann. In einer größeren Studie prüfen die deutschen Mediziner derzeit, ob die nichtinvasive Beatmung Patienten mit fortgeschrittener COPD nutzt.

Eine besondere Variante wird seit einigen Jahren bei Menschen mit fortgeschrittener Herzschwäche untersucht, bei denen der Atemantrieb periodisch nachlässt und manchmal ganz aussetzt. Neuere Geräte erkennen dies und steigern die künstliche Beatmung immer dann, wenn die Atmung des Patienten nachlässt. Diese "adaptive Servoventilation" wird derzeit in einer klinischen Studie untersucht. Die Untersuchung soll zeigen, ob sich die Investition in die neuen Geräte lohnt.

B. Schönhofer:
Nichtinvasive Beatmung zur Therapie der akuten respiratorischen und chronischen ventilatorischen Insuffizienz.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (11): S.530-535

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