• © Fotolia – aleutie

    Eine ungesunde Mischung: Wenig Bewegung und hoher Medienkonsum. © Fotolia – aleutie

     

Studie: Jugendliche sitzen vier Stunden täglich am Bildschirm

fzm, Stuttgart, August 2016 – Jugendliche in Deutschland bewegen sich zu wenig. Eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2016) ergab, dass Achtklässler fast die Hälfte ihres Tages im Sitzen verbringen, vorzugsweise vor dem Computer oder Fernseher. Ein hoher Medienkonsum wirke sich dabei nicht nur auf die körperliche Fitness negativ aus. Die Bildschirmnutzer neigten im Vergleich zu anderen „Bewegungsmuffeln“ auch eher dazu, zu rauchen, Alkohol zu trinken und sich ungesund zu ernähren.

Im Rahmen der sogenannten „läuft.“-Studie befragten Kieler Wissenschaftler 1296 Achtklässler von 29 Schulen in Schleswig-Holstein nach ihrem Freizeitverhalten. Die Antworten setzten sie anschließend mit Körpergewicht, Fettanteil, Blutdruck und dem Gesundheitsverhalten der jugendlichen Teilnehmer in Beziehung. Zudem nahmen alle Schüler an einem Fitnesstest teil: Im „20 Meter-Shuttle-Run-Test“ mussten sie zwischen zwei 20 Meter voneinander entfernt markierten Linien hin- und herlaufen, wobei die geforderte Geschwindigkeit langsam gesteigert wurde. Danach bestimmten die Forscher die Lungenfunktion der Jugendlichen.

Im Rahmen der Befragung stellten die Autoren fest, dass die Heranwachsenden durchschnittlich rund sieben Stunden im Sitzen verbrachten. Mehr als die Hälfte dieser Zeit, nämlich im Durchschnitt knapp vier Stunden, saßen sie vor ihrem Computer oder anderen Bildschirmgeräten. Die Jugendlichen, die besonders viel Zeit mit Medien verbrachten, hatten häufiger Gewichtsprobleme. Darüber hinaus neigten sie eher zu Tabak- und Alkoholkonsum sowie zu einer ungesunden Ernährung. Gleichaltrige, die ihre Freizeit ebenfalls sitzend, aber nicht vor dem Bildschirm verbrachten, zeigten hingegen weniger ungesunde Verhaltensweisen. Die Studie legt nahe, dass mit steigender Bildschirmzeit auch der BMI sowie der Taillenumfang zunimmt, schreibt Professor Reiner Hanewinkel, Leiter des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT) aus Kiel. Sein Team hat die Untersuchung Anfang 2014 durchgeführt. Die genauen kausalen Zusammenhänge konnte die Untersuchung nicht klären. Professor Hanewinkel vermutet jedoch, dass Werbung beim Internet- und Fernsehkonsum das „Snacking“ fördern.

Da im Jugendalter erlernte Verhaltensmuster häufig im Erwachsenenalter beibehalten werden, warnt der Gesundheitsforscher vor den gesundheitlichen Folgen, wie Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es sei daher wichtig, dass sich Jugendliche mehr bewegen und weniger vor dem Bildschirm sitzen, fasst Professor Hanewinkel zusammen.

N. Witzel, B. Isensee, V. Suchert, B. Weisser, R. Hanewinkel:
Sitzendes Verhalten und die Gesundheit Jugendlicher
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2016; 141 (15); e143–e149

 

Call to Action Icon
FZMedNews Bestellen Sie hier!