Der schwierige Kampf gegen den Alkoholismus

fzm – Kaum eine Sucht lässt sich so schwer therapieren wie die Alkoholabhängigkeit. Dennoch ist es Medizinern und Psychologen in den letzten Jahren gelungen, wirksame Therapien zu entwickeln. Eine soeben in der Fachzeitschrift "Fortschritte der Neurologie Psychiatrie" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) publizierte Studie der Psychologin Peggy Schmidt von der psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigt: Etwa vier von zehn Alkoholikern kann geholfen werden – sie bleiben langfristig abstinent.

Ob ein Süchtiger von seiner Alkoholabhängigkeit befreit wird, hängt jedoch nicht nur von der richtigen Behandlung ab. Mindestens ebenso entscheidend sind biografische und persönliche Merkmale der erkrankten Person, so Schmidt. "Generell spricht vieles dafür, dass für die Prognose des Behandlungserfolgs bei Alkoholabhängigen den Patientenmerkmalen eine größere Bedeutung zukommt als den Effekten von Behandlungsmerkmalen".

Das heißt: Die Heilungschancen von Alkoholkranken hängen nicht so sehr davon ab, ob sich der Erkrankte ambulant oder stationär, tiefenpsychologisch oder verhaltenstherapeutisch behandeln lässt, sondern von seinen persönlichen Voraussetzungen. Wer einen festen Wohnsitz hat, liiert und beruflich integriert ist sowie in der Vergangenheit keine Suizidversuche unternahm, der hat gute Karten, vom Alkohol loszukommen – so lautet ein wichtiger Befund der Studie.

Das Forscherteam um Schmidt wertete die Daten von 242 Patienten aus, die sich entweder in einer Suchtfachklinik oder Fachambulanz behandeln ließen. Die stationäre achtwöchige Kurzzeitentwöhnung erwies sich als besonders erfolgreich. 77 Prozent der Patienten waren zwei Jahre nach einer solchen Behandlung abstinent. Die Erfolgsquote der zwölf Monate währenden ambulanten Therapie lag etwas niedriger, nämlich bei 57 Prozent. Am geringsten war sie mit 43 Prozent nach zwölf- bis 16-wöchiger stationärer Langzeittherapie. Sieht man sich die Daten jedoch genauer an, fällt eines auf: Menschen in Langzeittherapie sind beruflich weniger integriert, schwerer und länger alkoholkrank. Insofern wundert es nicht, dass die Therapieerfolge bei dieser äußerst belasteten Patientengruppe schwächer ausfallen als bei ambulant behandelten Alkoholikern.

Vom wissenschaftlichen Standpunkt lässt sich nur schwer eine Empfehlung für die richtige Therapie abgeben. Ob sich ein Patient zur Alkohohlentwöhnung nun ambulant behandeln lässt oder in einer Klinik, der Weg zu einem suchtfreien Leben ist beschwerlich. Entscheidend, so Schmidt, ist das soziale Netz des Betroffenen. Ohne unterstützenden Partner oder Angehörige und Beruf ist es schwer, sich vom Alkoholismus zu befreien – ganz gleich, wo die Behandlung stattfindet.

P. Schmidt et. al.:
Effizienz der ambulanten und stationären Alkoholentwöhnung – Prädiktoren des Behandlungserfolgs.
Fortschritte der Neurologie Psychiatrie 2009; 77 (8): S. 451-456

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