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Kampf gegen Fake-News: Ärzte engagieren sich für hohe Qualität medizinischer Informationen in sozialen Medien

fzm, Stuttgart, Dezember 2017 – Soziale Medien werden immer häufiger als Kommunikationsplattform und Quelle für medizinische Informationen genutzt. Das birgt für Ärzte und Patienten Chancen und Risiken. Justin T. Brady und seine Kollegen geben im Journal „Clinics in Colon and Rectal Surgery“ (Thieme Publishers, New York 2017) Anregungen, wie Mediziner die Qualität medizinischer Informationen in sozialen Medien hochhalten können, damit sowohl Ärzte als auch Patienten von den Kommunikationskanälen profitieren.

Über 80 Prozent der Amerikaner nutzen soziale Medien, um Antworten auf medizinische Fragen zu erhalten. Da in sozialen Medien Informationen ohne Prüfung durch Redaktionen oder Gutachter veröffentlicht werden, können sowohl Ärzte als auch Patienten durch falsche oder missverständliche Informationen getäuscht werden. Je geringer die medizinische Vorbildung, desto weniger kann der Leser eine richtige von einer falschen Auskunft unterscheiden und desto leichter kann er einer Falschmeldung aufsitzen.

Missverständliche Informationen stammen dabei auch von Ärzten selbst, gibt Dr. Justin Brady vom University Hospitals Cleveland Medical Center zu bedenken. Wenn ein komplexer Sachverhalt massiv verkürzt und damit vereinfacht wird, kann es leicht zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen kommen. Ein Beispiel hierfür sind sogenannte Visual Abstracts, bei denen ein Sachverhalt auf wenige Kernpunkte verkürzt wird. Sie werden unter anderem bei wissenschaftlichen Tagungen präsentiert. An der Diskussion sind über soziale Medien auch viele Kollegen beteiligt, die nicht vor Ort dabei sind. Einerseits erleichtert dies die Kommunikation und Zusammenarbeit unter Wissenschaftlern. Andererseits werden aber auch schnell irrelevante oder nur vorläufige Ergebnisse verbreitet.

Einige Facharztgruppen diskutieren die Krankheitsbilder ihrer Patienten in geschlossenen Facebook-Gruppen. Die Rechte der Patienten bleiben gewahrt und gleichzeitig können sich Ärzte austauschen, informieren und weiterbilden. Doch auch diese Diskussionen in einer sogenannten sozialen Blase bewerten die Autoren um Brady als Ursprung von Falschinformationen. Nutzer sind quasi isoliert und von weiteren Meinungen abgeschlossen: Ärzte bekommen nicht mit, was Patienten online alles lesen, und Patienten haben keinen Zugang zu den Expertenmeinungen. Beteiligte tendierten auch dazu, die in der eigenen Blase zugänglichen Information kritiklos zu glauben, anstatt sie zu hinterfragen.

Die Autoren rufen ihre Kollegen auf, aktiv an der Diskussion teilzunehmen, damit medizinisch korrekte Informationen ein breites Publikum erreichen. In ihrem eigenen Bereich – der kolorektalen Chirurgie – sind nach Aussage der Autoren über 80 Prozent der Informationen in sozialen Medien korrekt. Die Chirurgen fordern, nur auf Tatsachen basierende Inhalte zu generieren, Originalquellen anzugeben und Fakten zu checken, bevor man sie verbreitet. Medizinische Experten sollten Laien zuverlässige Informationsquellen empfehlen und Patienten in die eigenen Medienseiten einbinden. Durch einen verantwortungsvollen Umgang könnten sowohl Ärzte als auch Patienten von sozialen Medien profitieren.

The Trump Effect: With No Peer Review, How Do We Know What to Really Believe on Social Media?
Justin T. Brady, Molly E. Kelly, Sharon L. Stein
Clinics in Colon and Rectal Surgery 2017; 30 (4); S.270–276

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