• Mann mit Kehlkopfbeschwerden © Picture Factory, Adobe Stock

    Mann mit Kehlkopfbeschwerden © Picture Factory, Adobe Stock

     

Akute Kehldeckelentzündungen – lebensgefährlich, aber gut behandelbar Mediziner definieren Kriterien für Atemwegssicherung

fzm, Stuttgart, Juli 2018 – Die akute Kehldeckelentzündung ist ein Notfall, denn durch Schwellungen am Eingang des Kehlkopfes kann es zu einer schnellen und lebensbedrohlichen Verengung der oberen Atemwege kommen. Erfolgt eine rechtzeitige und fachgemäße Behandlung, ist die Prognose gut. Experten beschreiben in der neuen Fachzeitschrift für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde „International Journal of Practical Otolaryngology“ Risikofaktoren für den ernsten Verlauf der Krankheit, der eine Atemwegssicherung erforderlich macht.

Die Symptome der akuten Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) sind Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Atemprobleme bei meist hohem Fieber. Da Ersticken durch einen akuten Atemwegsverschluss droht, ist rasches Handeln geboten. Die Patienten müssen in Begleitung eines Arztes und sitzend in das nächste Krankenhaus transportiert werden. Dort lindert eine Therapie mit Antibiotika und Kortison die Beschwerden in den meisten Fällen rasch.

Eigentlich gilt die Krankheit als Kinderkrankheit, doch wie Michihisa Kono und seine Koautoren Takashi Goto, Nobuyuki Bandoh und Yasuaki Harabuchi in einer aktuellen Studie aus Japan zeigen, sind Erwachsene von dieser Infektion nicht ausgenommen. Die Mediziner aus Hokkaido haben die Daten von 115 Patienten zwischen 12 und 85 Jahren analysiert. Das Durchschnittsalter lag bei 45 Jahren. Wie die Forscher herausfanden, traten zwischen April und September häufiger Fälle auf als in den anderen Monaten. Im Schnitt verbrachten die Patienten fünf Tage im Krankenhaus.

„Bei acht der 115 Fälle (sieben Prozent) musste ein Atemwegsmanagement durchgeführt werden (…)“, erklären die Autoren. Das heißt, der Atemweg wurde beispielsweise durch einen Luftröhrenschnitt, durchgeführt als Tracheotomie oder Koniotemie, gesichert, damit die Patienten nicht ersticken. Bei diesen acht Patienten handelt es sich um sieben Männer und eine Frau im Durchschnittsalter von 60 Jahren. Immerhin zwei dieser acht Patienten hatten Diabetes. „Bei Patienten mit Diabetes ist es notwendig, die Möglichkeit einer schnellen Progression und Verschlechterung der aktuten Epiglottitis in Betracht zu ziehen,“ warnen die Experten.

In der Studie konnten die Autoren Faktoren definieren, die besonders häufig ein Atemwegsmanagement erforderten und die in der bestehenden Literatur existierenden Kriterien ergänzen: Bestimmte Befunde am Kehlkopf sowie hohe Entzündungswerte im Blut.

Da in Deutschland gegen den wichtigsten Erreger der Epiglottitis, das Bakterium Haemophilus influenzae Typ B, geimpft werden kann, tritt die Krankheit bei uns nur noch selten auf.

Der Artikel ist in einer neuen Zeitschrift, dem „International Journal of Practical Otolaryngology“ erscheinen, dem offiziellen Organ der japanischen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde „The Society of Practical Otolaryngology“. In jeder Ausgabe finden sich Originalartikel, aktuelle Reviews und kurze Mitteilungen. Alle eingereichten Manuskripte werden von Fachleuten begutachtet. Wichtige Themen der Zeitschrift sind zum Beispiel allgemeine und pädiatrische HNO-Heilkunde, Kopf-Hals-Chirurgie und rekonstruktive Chirurgie. Es handelt sich um ein Open-Access-Journal, das zweimal jährlich in englischer Sprache erscheint.

Quelle:
Kono, M., Goto, T., Bandoh, N., Harabuchi, Y.: A Clinical Study of Patients with Acute Epiglottitis, International Journal of Practical Otolaryngology 2018; 01: e1-e5, DOI: 10.1055/s-0038-1660522

 

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