• Schulstart-Rakete mit Strichfiguren, strichfiguren.de/Adobe.Stock.com

    Der Besuch einer Kita ist wichtig, um gut ins Schulleben zu starten. © strichfiguren.de/Adobe.Stock.com

     

Besserer Schulstart für alle: Kitabesuch fördert kognitive und motorische Entwicklung von Kindern

fzm, Stuttgart, August 2018 – Kinder, die eine Kindertagesstätte besuchen, schneiden bei der Schuleingangsuntersuchung deutlich besser ab als Kinder, die ausschließlich familiär betreut werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Lübecker Studie, in die Untersuchungsdaten von knapp 20.000 Schulanfängern aus ganz Schleswig-Holstein eingeflossen sind. Der Besuch einer Kita trage dazu beitragen, Entwicklungsdefizite zu verringern und die Chancengleichheit der Kinder zu verbessern, erklären die Autorinnen, die ihre Studie in der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“ vorstellen (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2018).

Besonders offensichtlich war der positive Einfluss des Kita-Besuchs auf die Sprachentwicklung der Kinder. Das betraf vor allem, aber nicht ausschließlich Kindern mit Migrationshintergrund. „Mit jedem Besuchsjahr in der Kita verbesserte sich die Sprachkompetenz aller Kinder“, sagt Professor Dr. med. Ute Thyen, Leiterin der Studie und Sprecherin der AG Sozialpädiatrie an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universität zu Lübeck. Auch in Bezug auf die kognitive und motorische Entwicklung profitierten die Kinder von einem Kitabesuch. Entsprechend war auch der Bedarf für sonderpädagogische Förderung umso geringer, je länger die Dauer der außerfamiliären Betreuung gewesen war. Auf Verhaltensauffälligkeiten oder Übergewicht hatte ein Kita-Besuch dagegen keine Auswirkungen.

Mit ihrer Untersuchung bestätigen Thyen und ihre Doktorandin Carla Knollmann die Ergebnisse früherer Studien, wonach ein früher Kita-Besuch einen allgemein positiven Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes hat. Ebenfalls im Einklang mit früheren Analysen ist ihr Befund, dass ein niedriger Bildungsstand der Eltern, eine große Zahl von Geschwistern, eine Erziehung durch nur ein Elternteil oder eine Migrationsbiografie beider Elternteile mit einem größeren Risiko von Entwicklungsverzögerungen einhergehen. „Gerade für Kinder aus einem benachteiligten sozialen Umfeld ist der Besuch einer Kita eine Chance, die Anregung und Förderung zu erhalten, die es zu Hause nicht gibt“, betont Thyen, die als Präsidentin der Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e. V. (DGSPJ) vorsteht. Für einen frühen Kita-Besuch spreche zudem, dass sich frühe Interventionen günstiger auswirkten und einen größeren Effekt hätten als spätere. Denn in den ersten drei Lebensjahren würden die neurobiologischen Grundlagen für wichtige sozial-emotionale Fähigkeiten gelegt, die als Basis jeder weiteren Entwicklung gelten.

Wie viele Stunden die Kinder täglich betreut wurden – ob der Kita-Besuch also ganz- oder halbtags erfolgte - wurde bei der Studie nicht erfasst. „In jedem Fall aber scheint die Bereitstellung von Kita-Plätzen neben den Arbeitsmöglichkeiten der Eltern auch die Chancengleichheit der Kinder zu verbessern“, so das Fazit der Autorinnen. Im Rahmen der Kita eine gezielte Förderung für Sprache, Motorik, Kognition oder gesunde Ernährung anzubieten, wirke sozial kompensatorisch und sei daher grundsätzlich begrüßenswert.

C. Knollmann und U. Thyen
Einfluss des Besuchs einer Kindertagesstätte (Kita) auf den Entwicklungsstand bei Vorschulkindern
Das Gesundheitswesen 2018, online erschienen am 6.8.2018