• Fallpauschale © Christian Jung, Fotolia.com

    Mittels Fallpauschalen werden komplexe medizinische Leistungen über Fixbeträge vergütet. © Christian Jung – Fotolia.com

     

Kodierfachkräfte können Erlöse für Krankenhäuser deutlich steigern

fzm, Stuttgart, Mai 2017 – Erst wenige orthopädische Kliniken in Deutschland beschäftigen Kodierfachkräfte für die komplizierten Abrechnungen mit Krankenkassen. Dabei könnten die Kliniken ihre Erlöse deutlich steigern, wie eine Untersuchung in der „Zeitschrift für Orthopädie und Unfallchirurgie“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2017) zeigt.

Seit 2003 werden Kliniken nicht mehr pauschal nach Pflegesätzen bezahlt. Das bedeutet, nicht die Aufenthaltsdauer, sondern die Erkrankungen der Patienten sind für die Vergütung ausschlaggebend. Grundlage dieser fallbezogenen Honorierung ist das DRG-System (für „Diagnosis Related Groups“). Die Zuordnung eines Patienten zu einer Fallpauschale erfolgt aufgrund verschiedener Kriterien. Dazu gehören unter anderem Haupt- und Nebendiagnose, Prozeduren, Alter des Betroffenen oder Leistungen wie Beatmungsstunden. Auf Grundlage dieser Angaben „kodieren“ Klinikmitarbeiter jeden Patienten und errechnen so den Erlös für die erbrachten Leistungen. Anfangs übernahmen weitestgehend die Ärzte selbst diese Aufgabe. Viele Kliniken haben jedoch erkannt, dass ihre Angaben oft unvollständig sind, weil ihnen die dafür notwendigen Kodierkenntnisse fehlen. Für die Kliniken kann dies einen erheblichen Verlust von Erlösen bedeuten, warnt Frank Burger vom Institut für Forschung in der Operativen Medizin (IFOM) an der Universität Witten/Herdecke.

In einer Studie hat er mit seinen Mitarbeitern die Kodierung von 200 Behandlungsfällen einer Klinik von betriebswirtschaftlich ausgebildeten Gesundheitsökonomen durchführen lassen. In einer Vergleichsgruppe übernahmen Ärzte die Aufgabe, die sich ohne gesundheitsökonomische Zusatzausbildung in das DRG-System eingearbeitet hatten.

Dabei kamen die Wissenschaftler zu folgendem Ergebnis: Die Erlöse für die Klinik waren im Durchschnitt pro Fall um 2.472,50 Euro höher, wenn die Kodierfachkräfte die DRG-Daten für die Krankenkassen zusammengestellt hatten. Die Kodier-Experten benötigten pro Fall nur etwas mehr als 11 Minuten. Dies ergibt laut Burger eine Erlössteigerung von 218 Euro pro Minute. Bei Personalkosten von 70 Cent pro Minute, was einem Stundenlohn von 42 Euro die Stunde entspricht, rechne sich die Beschäftigung von Fachpersonal für die Kliniken auf jeden Fall, urteilt Burger. Zudem sei die Gefahr, dass Kodierfachkräfte Leistungen übersehen, gering: In der Studie hatten sie nur in zweieinhalb Prozent der Fälle einen geringeren Erlös errechnet als die behandelnden Ärzte.

Angesicht dieser Ergebnisse ließe sich vermuten, dass Kliniken vermehrt qualifiziertes Personal einsetzen. Eine Umfrage Burgers unter 60 orthopädischen Fachkliniken ergab jedoch, dass dort nur 19 Prozent der Kodierungen durch Fachkräfte durchgeführt wurden, in 69 Prozent erfassten die behandelnden Ärzte die DRG-Daten. In den anderen Fällen teilten sie sich die Arbeit.

Ein weiteres Ergebnis der Befragung: Insgesamt 61 Prozent der Teilnehmer waren mit der gegenwärtigen Kodierung zufrieden. Die Erlöse betrugen jedoch nur 1.277 Euro pro Fall. In der Studie hatten die Ärzte 4.973 Euro und die Kodierfachkräfte 7.446 Euro pro Fall erreicht. Burger rät den Kliniken daher dringend, ihre Zurückhaltung gegenüber der Beschäftigung von Kodierfachkräften zu überdenken, da sie sonst ihre Wirtschaftlichkeit gefährden würden.

F. Burger, M. Walgenbach, P. Göbel, S. Parbs, E. Neugebauer: Ist die Kodierung im Krankenhaus zu wichtig, um sie Ärzten zu überlassen? – Evaluation der betriebswirtschaftlichen Effizienz von Gesundheitsökonomen an einem Zentrum der Maximalversorgung; Zeitschrift für Orthopädie und Unfallchirurgie 2017; 155 (2); S. 177–183

 

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