• King Philip of Macedonia © Panaiotis Kruklidis

    King Philip of Macedon © Panaiotis Kruklidis

     

Gesichtschirurg untersucht Augenverletzung von König Philip II von Makedonien

fzm, Stuttgart, Juni 2017 – König Philip II, Vater von Alexander dem Großen, bestieg den Thron von Makedonien im Jahr 360 v. Chr. Die Geschichtsschreiber berichten, dass er bei der Belagerung von Methone sein rechtes Auge verlor. Seinem Leibarzt Kritobulos soll es gelungen sein, den Pfeil mit Hilfe eines antiken chirurgischen Instruments, dem Diokles-Löffel, so geschickt zu entfernen, dass der Herrscher überlebte. Gesichtschirurg Panagiotis Stathopoulos betrachtet in „Craniomaxillofacial Trauma & Reconstruction” (Thieme Publishers, New York 2017) die vorliegenden Knochenfunde aus ärztlicher Sicht.

Im Jahr 1977 fanden griechische Archäologen in Vergina, Griechenland, mehrere Königsgräber. Aus Grab Nummer II bargen sie ein Skelett, dessen Schädel eine charakteristische Verletzung der rechten Augenhöhle aufwies. Ein Jahr später wurde in Grab Nummer III ein weiteres Skelett mit einer auffälligen Knieverletzung gefunden. Beide konnten von Philip II stammen. Der makedonische König führte zahlreiche Kriege, in denen er mehrfach verletzt wurde. Bei der Belagerung von Methone 355 v. Chr. soll er von einem Pfeil am rechten Auge getroffen worden sein. Sein Leibarzt habe den Pfeil mit Hilfe des Diokles-Löffels entfernt. Die Sonde wurde damals genutzt, um Pfeilspitzen aus Körpern zu extrahieren, ohne durch die Widerhaken der Spitzen weitere Verletzungen zu verursachen. Sie wurde am Pfeil vorbei eingeführt, umschloss die Pfeilspitze und ermöglichte es so, diese heraus zu ziehen. Seitdem sei Philip II von einer deutlichen Narbe gezeichnet gewesen, wie unter anderem der antike Schriftsteller Plutarch berichtete. Im Grab wurde außerdem der Kopf einer Elfenbeinstatue gefunden, die einen König mit einer Narbe am rechten Auge zeigte.

Archäologen und Paläopathologen haben deshalb den Schädel genau untersucht und rekonstruiert. Panagiotis Stathopoulos vom Royal Derby Hospital in Großbritannien hat diese Ergebnisse analysiert und kommt zu dem Schluss, dass es sich bei den Überresten aus Grab II durchaus um König Philip II handeln könnte. Die knöchernen Verletzungen an der Augenhöhle würden zu einem Pfeil passen, der von schräg oben in die Augenhöhle eingedrungen sei. Am äußeren Augenrand, wo Jochbein und Stirnbein normalerweise verbunden sind, fehlt ein Stück Knochen, und am Boden der Augenhöhle ist ein Teil des Oberkieferknochens verzogen. An den Knochenresten sind außerdem Zeichen einer Knochenheilung erkennbar. Dies passe zu den Überlieferungen, nach denen die Verletzung fast 20 Jahre vor dem Tod Philips im Jahr 336 v. Chr. auftrat. Die Einkerbungen seien nicht das Ergebnis der Einäscherung des Leichnams, bei der Knochen schrumpfen und sich Schädel verformen können.

Die abschließende Diagnose des Chirurgen lautet: Signifikante Verletzung des zygomatico-maxillären Komplexes (bestehend aus Jochbein und Oberkieferknochen) sowie eine Verletzung des oberen Orbitarandes (knöcherne Begrenzung der Augenhöhle), vermutlich ausgelöst durch eine Pfeilverletzung.

P. Stathopoulos: Did King Philip II of Ancient Macedonia Suffer a Zygomatico-Orbital Fracture? A Maxillofacial Surgeon's Approach; Craniomaxillofacial Trauma & Reconstruction; efirst 24.03.2017; doi: 10.1055/s-0037-1601431