• Daumen hoch mit Verband © Ivan Kopylov, Adobe.Stock.com

    Wer sich bei der Klinikwahl auf Urteile anderer Patienten verlässt, wählt nicht immer die beste Versorgung. © Ivan Kopylov/ Adobe.Stock.com

     

Facebook-Bewertungen bilden nicht die klinische Versorgungsqualität ab

Stuttgart, Dezember 2018 – Die Mehrzahl deutscher Krankenhäuser sind mittlerweile auf Facebook vertreten und erhalten dort Bewertungen von ihren Patienten. Inwieweit diese mit den veröffentlichten Qualitätsberichten der Kliniken übereinstimmen, haben Nürnberger Wissenschaftler erstmals systematisch für den Fachbereich Geburtshilfe untersucht. In der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2018) kommen die Experten zu dem Schluss, dass die Social-Media-Bewertungen Patientinnen keine Orientierungshilfe bieten, wenn für sie die klinische Versorgungsqualität im Mittelpunkt steht.

Den Fokus ihrer Studie legte das Team um Privatdozent Dr. Martin Emmert vom Institut für Management der Universität Erlangen-Nürnberg auf den Bereich der Geburtshilfe. Der Grund: Hier entspricht die Altersstruktur der Patientinnen am ehesten der von Facebook-Nutzern. „Außerdem handelt es sich um einen elektiven Eingriff, für den es aussagekräftige Qualitätskriterien gibt, die zum Vergleich herangezogen werden können“, erläutert Martin Emmert. Den Social-Media-Bewertungen stellten die Wissenschaftler die Ergebnisse der sogenannten externen stationären Qualitätssicherung (esQS) gegenüber. Sie werden seit 2005 kontinuierlich erhoben und bilden die Basis für die gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätsberichte der Kliniken. Im Fall der Geburtshilfe werden beispielsweise die Zahl der Kaiserschnitte, die Anwesenheit eines Kinderarztes bei Frühgeburten oder die vorbeugende Gabe von Antibiotika bei einem Kaiserschnitt erfasst.

Die Ergebnisse der esQS aus dem Jahr 2015 haben Emmert und seine Kollegen mit den Einschätzungen auf den Facebook-Seiten der jeweiligen Krankenhäuser verglichen. Fast 97 Prozent der Kliniken mit geburtshilflichen Stationen sind auf Facebook vertreten und bieten den Nutzerinnen die Möglichkeit, ihren Klinikaufenthalt mit einem Stern (schlecht) bis fünf Sternen (ausgezeichnet) zu bewerten. Die Bewertung der Geburtshilfe fiel mit 4,7 Sternen sehr gut aus. „Die Beurteilungen korrelierten aber in keiner Weise mit den fachlich begründeten esQS-Urteilen“, sagt Emmert. Als Maß für die klinische Versorgungsqualität seien sie somit nicht geeignet.

In einem weiteren Schritt verglichen die Forscher die Facebook-Bewertungen mit Befragungsergebnissen der Krankenkassen (AOK und BARMER). Diese befragen ihre Versicherten seit 2011 mittels des wissenschaftlich fundierten Fragebogens „Patients‘ Experience Questionnaire“ (PEQ) nach einem Klinikaufenthalt zu deren Erfahrungen. Abgefragt wird die Zufriedenheit in Bezug auf die Behandlung sowie die Betreuung von Mutter und Kind. Aber auch Einschätzungen zur Qualität des Essens und den hygienischen Bedingungen sind gefragt. „Hier zeigte sich, dass Facebook-Bewertungen signifikant mit offline erhobenen Ergebnissen (PEQ-Befragung) korrelieren“, erklärt Emmert.

Demnach könnte Facebook für solche Patienten eine Orientierung darstellen, die sich bei der Krankenhauswahl auf gemachte Erfahrungen anderer Patienten verlassen und sich weniger auf die klinische Versorgungsqualität fokussieren. Weitere Studien sollten untersuchen, inwiefern Onlinekommentare das Potenzial haben, traditionelle Befragungsergebnisse zu ergänzen, um die Versorgungsqualität weiter zu erhöhen, empfiehlt der Gesundheitswissenschaftler abschließend.

M. Emmert et al.:
Spiegeln Facebook-Bewertungen die Versorgungsqualität und Patientenzufriedenheit von Krankenhäusern wider? Eine Querschnittstudie am Beispiel der Geburtshilfe in Deutschland
Das Gesundheitswesen 2018; online erschienen am 26.11.2018

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