Krebs: Internetseiten von Selbsthilfegruppen enthalten kaum Informationen zu Alternativmedizin

Stuttgart, Januar 2013 – Krebspatienten, von denen viele ein hohes Interesse an komplementären und alternativen Heilmethoden haben, finden auf den Internetseiten von Selbsthilfegruppen nur wenig Unterstützung. Dies ergab eine aktuelle Untersuchung in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2013).

Umfragen zeigen, dass 20 bis 90 Prozent aller Krebspatienten im Verlauf ihrer Erkrankung wenigstens einmal auf komplementäre oder alternative Medizin zurückgreifen, berichten Dr. Jutta Hübner vom Dr. Senckenbergischen Chronomedizinischen Institut der Universität Frankfurt und ihre Kollegen. Als Informationsquelle nutzt ein Drittel aller Krebspatienten mittlerweile das Internet. Viele wenden sich dabei ratsuchend an die Seiten von Selbsthilfegruppen, die es heute für verschiedene Krebsarten gibt. Patienten stellen dort für andere Betroffene kostenlos Informationen zur Erkrankung und den Behandlungsmöglichkeiten ins Netz. Dr. Jüttner, die eine Arbeitsgruppe Integrative Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft leitet, hat das Angebot von zwölf Selbsthilfegruppen untersucht.

Bei der Beurteilung orientiert sich das Team um Dr. Hübner an den Kriterien der „Health On the Net Foundation“. Diese 1995 in Genf gegründete Nichtregierungsorganisation hat eine Reihe von Prinzipien aufgestellt. Sie fordern, dass die Verfasser ihren Sachverstand auf der Internetseite nachweisen, die Behauptungen durch Hinweise auf wissenschaftliche Quellen belegen, Meinungen als solche kennzeichnen sowie Werbeinhalte klar von redaktionellen Inhalten trennen.

Die Arbeitsgruppe bescheinigt den Internet-Seiten im Allgemeinen eine hohe Qualität: Alle Internet-Seiten würden sehr genau zwischen Information und Meinung unterscheiden, berichtet Dr. Hübner. Fremdeinflüsse seien nicht wahrzunehmen. Der Medizinerin fiel allerdings auf, dass die Angaben zur komplementären und alternativen Medizin insgesamt spärlich ausfielen. Insbesondere Gruppen zu Brust- und Darmkrebs, die (laut anderen Studien) von den Patienten besonders häufig genutzt werden, würden keine oder wenige Informationen bereitstellen, kritisiert Dr. Hübner. Als positiv hebt sie die Seiten des Bundesverbandes Prostata-Selbsthilfe und das Portal „Ohne Schilddrüse leben“ hervor. Dr. Hübner: Diese Selbsthilfegruppen zeigen, auf ihre jeweils unterschiedliche Weise, dass ein intensiver Umgang mit dem Thema unter Bewahrung der Neutralität möglich ist.

Die Gründe für die Zurückhaltung vieler Selbsthilfegruppen ist unklar. Zum einen würden die Gruppen nicht den Anspruch erheben, umfassende medizinische Informationen zu vermitteln. Zum anderen falle es selbst medizinischen Experten häufig schwer, zwischen seriösen und unseriösen Quellen zu unterscheiden. Recherchen zu komplementären und alternativen Heilmethoden sind nach Einschätzung von Dr. Hübner sehr viel schwieriger als zu anderen Themen. Die Patienten aus den Selbsthilfegruppen könnten sich bei ihren Recherchen kaum auf die Leitlinien von ärztlichen Fachgesellschaften stützen. Dr. Hübner sieht deshalb die medizinischen Fachgesellschaften gefordert. Diese sollten vermehrt Stellung zu komplementären und alternativen Heilmethoden beziehen, fordert sie. Bei einigen Leitlinien zu Lungenkrebs, Magenkrebs, Darmkrebs und Brustkrebs sei dies bereits geschehen. Dr. Hübner setzt sich mit ihrer Arbeitsgemeinschaft Prävention und Integrative Onkologie bei der Deutschen Krebsgesellschaft dafür ein, dass weitere Leitlinien dem Beispiel folgen.

J. Hübner et al.:
Informationen zur komplementären und alternativen Medizin auf den Internetseiten deutscher Selbsthilfegruppen für Tumorpatienten.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2012: 138 (1/2): S. 17-22

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