Erfolgreiche Krebstherapie mit Endoskopen

Stuttgart, März 2009 – Viele Krebserkrankungen in Speiseröhre oder Magen können heute ohne eine Operation behandelt werden. Ärzte entfernen die Tumore mit speziellen Endoskopen, wobei eine in Japan entwickele Technik die Möglichkeiten erweitert hat. Entscheidend für den Erfolg ist eine frühestmögliche Diagnose, schreiben Experten in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009).

Tumore in Magen und Speiseröhre können mit dem Endoskop entfernt werden, solange sie auf die Schleimhaut begrenzt und die Lymphknoten noch nicht befallen sind, erklären Dr. med. Jean-Pierre Charton und seine Kollegen vom Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf. Die oberflächliche Ausdehnung des Tumors erkennen die Mediziner nach Aufsprühen von speziellen Farbstoffen mit der Zoomoptik des Endoskops. Tumortiefe und der Befall der Lymphknoten werden mit einer Ultraschallsonde geprüft. Mit einem sogenannten Lasermikroskop können Ärzte tiefere Schichten der Schleimhaut in Augenschein nehmen.

Früher wurden die Tumore mit Schlingen entfernt, erläutert Dr. Charton. Das gelang oft nur bei kleineren oder aus der Schleimhaut herausragenden Tumoren. Größere Tumore mussten stückweise aus der Schleimhaut herausgetrennt werden. Heute gelingt es den Ärzten häufig, die Tumore als Ganzes vom gesunden Gewebe abzutrennen. Dazu stehen ihnen eine Reihe von Instrumente zur Verfügung, mit deren Hilfe sich größere Abschnitte der Schleimhaut, die Mukosa, sauber vom Untergrund, der sogenannten Submukosa abtrennen lassen. Selbst die Hochdruckwasserstrahl-Technik hat Einzug in die Endoskopie gefunden.

Diese "endoskopische Submukosadissektion" ist sehr anspruchsvoll und zeitaufwendig, berichten die Autoren. Es kann zu Blutungen kommen und auch zum Durchtrennen der Wand von Speiseröhre oder Magen. Wenn die Entfernung im Ganzen aber gelingt, sind die Heilungschancen deutlich erhöht. In Japan ist dies bereits Standard, berichtet der Autor. In Deutschland seien die Erfahrungen beim Magenfrühkrebs, der hierzulande sehr viel seltener als in Japan ist, noch begrenzt.

Tumore der Speiseröhre werden jedoch auch in Deutschland bereits großflächig mit dem Endoskop entfernt. Besonders günstig sind die Ergebnisse beim Barrett-Frühkarzinom, einer Spätfolge langjährigen Sodbrennens. Die Überlebensrate nach fünf Jahren entspricht laut Dr. Charton der von Gesunden in der gleichen Altersgruppe. Auch die zweite Krebsform in der Speiseröhre, die sogenannten Plattenepithelkarzinome, können meistens endoskopisch entfernt werden – sofern sie auf die Schleimhaut begrenzt sind. Dies gelingt allerdings nicht immer en-bloc. Dr. Charton: Häufig sind mehrere Sitzungen notwendig.

Vielen Patienten erspart die endoskopische Behandlung heute eine Operation. Die chirurgische Entfernung der Speiseröhre gehört zu den riskantesten Operationen, die nicht von allen Patienten überlebt wird und bei den Überlebenden mit schweren Einschränkungen der Lebensqualität verbunden ist. Nach einem endoskopischen Eingriff bleiben Magen oder Speiseröhre erhalten. Die Wunde auf der Schleimhaut verheilt rasch. Gelegentlich können die Narben später die Speiseröhre verengen. Doch auch dieses Problem kann in den meisten Fällen endoskopisch behoben werden, so Dr. Charton.

J. P. Charton et al.:
Endoskopische Resektionsverfahren am Beispiel des oberen Gastrointestinaltrakts.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (10): S. 446-453

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