Rezepte gegen den drohenden Landärzte-Mangel

fzm - Der Ärztemangel in ländlichen Regionen gefährdet zunehmend die medizinische Versorgung der Bevölkerung. Während der Anteil alter Menschen von Jahr zu Jahr steigt, entscheiden sich immer weniger Mediziner für ein Leben als Landarzt. Mit unterschiedlichen Rezepten wollen Politiker, Forscher und Hochschulen das Problem lösen. Die Vorschläge reichen von der Abschaffung des Numerus clausus über finanzielle Prämien für Landärzte bis zur stärkeren Berücksichtigung der Allgemeinmedizin in den Lehrplänen der Universitäten. Zwei Artikel in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010) analysieren Stärken und Schwächen der jeweiligen Konzepte.

Um den drohenden Ärztemangel abzuwenden hat Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler die Abschaffung des Numerus clausus für das Medizinstudium und die Schaffung von bundesweit 1 000 neuen Studienplätzen ins Gespräch gebracht. Dagegen regte sich an Universitäten und in manchen Bundesländern Widerstand. Viele Experten verweisen darauf, dass das eigentliche Problem tiefer liegt: So wandern laut einer Schätzung der Bundesärztekammer (BÄK) 40 Prozent der Mediziner nach beendetem Studium in andere lukrative Wirtschaftsbranchen wie etwa die Pharmaindustrie ab.

Und jene Absolventen, die tatsächlich den Arztberuf anstreben, zieht es meist in die städtischen Ballungsräume, welche mit besseren Arbeits- und Lebensbedingungen sowie mit höheren Verdienstmöglichkeiten locken. Diverse finanzielle Anreize sollen die ländlichen Regionen für angehende Mediziner attraktiver machen: Nordrhein-Westfalen bietet Hausärzten bis zu 50 000 Euro für die Ansiedlung in unterversorgten Gegenden, und Kommunen winken mit kostenlosen Praxisräumen und zinsfreien Krediten. Das Land Sachsen zahlt Stipendien an jene Studenten, die sich verpflichten, nach dem Abschluss vier Jahre als Landarzt in dem Freistaat zu arbeiten. Der Erfolg solcher „Prärieprämien“ hält sich bisher in Grenzen. In Sachsen wurden nur 29 von 150 angebotenen Stipendien vergeben.

Auf große Zustimmung stößt dagegen die Forderung von Experten, die für die Grundversorgung der Bevölkerung essenzielle Allgemeinmedizin stärker im Studium zu verankern. Bislang sind solche Lehrstühle an den Universitäten rar gesät, und in den Curricula fristet die Disziplin derzeit ein eher stiefmütterliches Dasein. „Wenn wir die Allgemeinmedizin stärker betonen, bekommen wir auch mehr Landärzte“, glaubt Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer.

Gegen den Mangel an Fachärzten könnten in dünn besiedelten Gebieten medizinische Versorgungszentren (MVZ) helfen, die beispielsweise von Kommunen, Krankenhäusern oder Kapitalgesellschaften betrieben werden. Einen Teil eines solchen Zentrums würde ein Allgemeinmediziner durchgehend besetzen. In den übrigen Räumen könnten diverse Fachärzte wie etwa Kardiologen, Gynäkologen oder Urologen abwechselnd an verschiedenen Wochentagen Sprechstunde halten.

K. Gaede:
Ärztemangel: Adieu – Landarzt.
kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin 2010; 15 (5):
S. 18-22

G. Doelfs:
Medizinstudium: Scheindebatte.
kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin 2010; 15 (5):
S. 23-26

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