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    Das Hepatitis C-Virus schädigt die Leber. © fotoliaxrender, Fotolia.com

     

Leberkrebs nach Hepatitis C-Behandlung: Gibt es einen Zusammenhang?

fzm, Stuttgart, Mai 2017 – Führende Leberexperten rätseln derzeit darüber, warum einige Menschen, die mit modernen Medikamenten von einer Infektion mit dem Hepatitis C-Virus geheilt wurden, kurze Zeit später an Leberkrebs erkranken. Forscher aus Barcelona vermuten in der Fachzeitschrift „Seminars in Liver Disease“ (Thieme Publishers, Stuttgart 2017), dass die Heilung der Virusinfektion die körpereigene Krebsabwehr in der Leber schwächt.

Die Behandlung der Hepatitis C hat sich in den letzten Jahren verbessert: Neue direkt wirksame antivirale Wirkstoffe (DAA), die die Virusvermehrung in den Leberzellen blockieren, können die Infektion auch dann noch zuverlässig zur Ausheilung bringen, wenn die Leber bereits stark geschädigt ist. Auch Patienten, die bereits einmal Leberkrebs, eine Spätfolge der chronischen Hepatitis, überwunden haben, werden erfolgreich behandelt.

In einer früheren Studie berichteten Maria Reig und Zoe Mariño vom „Hospital Clínic de Barcelona“, dass 21 von 77 Patienten, bei denen zunächst ein Leberkrebs erfolgreich behandelt worden war, nach einer späteren Ausheilung der Hepatitis C erneut an Leberkrebs erkrankten. Inzwischen sind 24 Patienten betroffen. Der hohe Anteil von mehr als 31 Prozent, die rasche Rückkehr der Krebserkrankung und vor allem ein äußerst aggressives Wachstum der Tumore alarmierte die beiden Forscherinnen. Sie diskutieren seither mit ihren Kollegen darüber, ob es einen Zusammenhang mit der Behandlung mit DAAs gibt. Die Frage war zuletzt im April auf dem „International Liver Congress“ (ICL) der „European Association for the Study of the Liver“ in Amsterdam ein zentrales Thema. Weitere Forscher präsentierten Fallberichte, die zu einem ähnlichen Schluss wie Reig und Mariño kamen. Andere führen die Häufung von Krebserkrankungen allein darauf zurück, dass mit den neueren Mitteln zunehmend auch ältere Patienten mit bereits fortgeschrittener Leberzirrhose behandelt werden. Mit zunehmendem Alter und zunehmender Dauer der Infektion steige jedoch das Risiko auf eine Krebsentstehung. Dies allein könnte nach Ansicht der Kritiker die Häufung und das rasche Krebswachstum erklären.

Reig und Mariño stellen in „Seminars in Liver Disease“ eine weitere Vermutung auf, die sie ebenfalls beim ILC präsentierten: Die chronische Hepatitis habe zur Folge, dass sich vermehrt Abwehrzellen in der Leber aufhalten, darunter auch solche, die eine latente Krebserkrankung in Schach halten. Der schnelle Behandlungserfolg durch DAA und das Abklingen könne dazu führen, dass sich die Abwehrzellen zurückziehen und der Leberkrebs sich ungehemmt entwickeln kann.

In Deutschland wurden dem Robert Koch-Institut im Jahr 2015 4.887 Erkrankungen gemeldet. Die Zahl der Betroffenen könnte jedoch wesentlich höher sein, denn viele Patienten merken zunächst nichts von der Infektion. Der Erfolg der Hepatitis C-Behandlung mit DAAs hat dazu geführt, dass möglichst viele Patienten, die vorher auf Grund der starken Nebenwirkungen von der Behandlung mit Interferon ausgenommen waren, mit diesen Wirkstoffen behandelt werden. Reig und Mariño hoffen, dass durch weitere Studien genauer definiert werden kann, für welche Patienten ein erhöhtes Krebsrisiko besteht.

Reig et al.: Liver Cancer Emergence Associated with Antiviral Treatment: An Immune Surveillance Failure? Seminars in Liver Disease 2017; efirst (7. April 2017)

 

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