• © Kateryna_Kno, Adobe Stock

    Krebszellen in der Leber können häufig nur mit Hilfe eines Katheters bekämpft werden © Kateryna_Kon, Adobe Stock

     

Krebs in der Leber gezielt bekämpfen: Transarterielle Chemoembolisation mit Ballonkatheter

fzm, Stuttgart, Oktober 2017 – Leberkrebs gehört weltweit zu den tödlichsten Krebserkrankungen. Die Krebszellen können häufig nicht operativ entfernt werden. Stattdessen werden sie mit Hilfe eines Katheters bekämpft, der bis zu der Arterie geführt wird, die den Tumor versorgt. Dort wird ein Zellgift, auch Zytostatikum genannt, zusammen mit einem Öl eingespritzt. Das Zytostatikum soll den Tumor zerstören, während das Öl das Blutgefäß vorübergehend verschließt und so die Einwirkzeit des Zellgifts verlängert. Diese Methode der transarteriellen Chemoembolisation (TACE) wurde mit immer feineren Kathetern stetig weiterentwickelt. Experten stellen in der neuen Fachzeitschrift „Digestive Disease Interventions“ (Thieme Publishers, New York 2017) eine weitere Kathetergeneration vor: Bei B-TACE wird das Gefäß zusätzlich vorübergehend mit einem Ballon verschlossen.

Die transarterielle Chemoembolisation (TACE) wurde in den 1990er Jahren entwickelt: Bei der Behandlung wird ein feiner Katheter über Leistenarterie, Bauchschlagader und Leberarterie bis in die Arterie vorgeschoben, die zum Tumor führt. Dann injiziert der Arzt das Zytostatikum zusammen mit einem Öl, das gleichzeitig als Röntgenkontrastmittel dient. Der Blutfluss wird dadurch kurzzeitig unterbrochen, so dass die hochdosierten Zellgifte in der Krebszelle wirken können. Dr. David Madoff vom New York Presbyterian Hospital-Weill Cornell Medicine erklärt, dass TACE nur möglich ist, weil die gesunden Leberzellen, anders als der Tumor, auch über die Lebervenen mit Blut versorgt werden. Sie würden durch das Zellgift und die Unterbrechung der Durchblutung weniger geschädigt. Im Idealfall sterbe die Tumorzelle ab.

Neben den TACE-Kathetern kommen zunehmend Ballonkatheter (B-TACE) zum Einsatz, die bei ihrer Entfaltung die Arterie komplett verschließen. Der Ballon umgibt dabei den Zentralkatheter, über den das Gemisch aus Zytostatika in die Arterie gespritzt wird. B-TACE hat laut Madoff den Vorteil, dass ein Rückfluss durch die Ballonblockade verhindert wird und so die Behandlung noch gezielter begrenzt werden kann. Die Blockade vermindere auch den Blutdruck in der Arterie, was die Aufnahme des Zellgiftes durch den Tumor verbessern könne. Die ersten klinischen Ergebnisse mit B-TACE wurden 2013 veröffentlicht. Madoff erinnert sich daran, dass in der Anfangsphase Ballons platzten, oder sich später Aussackungen (Aneurysmen) in den Arterien bildeten, weil der Ballon die Gefäßwand beschädigte. Auch der Anstieg der Leberenzyme, als Zeichen einer Schädigung der Arterie, konnte nach der Behandlung höher ausfallen als nach der konventionellen TACE.

Die Katheterentwicklung ist seitdem weiter fortgeschritten: In den USA sind laut Madoff heute acht B-TACE-Katheter zugelassen. Der Experte rechnet damit, dass die erhöhte Aufnahme der Zellgifte durch den Tumor zu besseren klinischen Ergebnissen führen wird. Erste Erfahrungen, die die Autoren in diesem Review beschreiben, deuten in diese Richtung.

Balloon-Assisted Transarterial Chemoembolization: A Nascent Strategy for the Treatment of Hepatocellular Carcinoma.
Sirish A. Kishore, Wayne Y. Cheng, John B. Smirniotopoulos, David C. Madoff
Digestive Disease Interventions 2017; 01(02): 115-120

 

Call to Action Icon
FZMedNews Bestellen Sie hier!