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    Die Leber ist ein Organ mit faszinierenden Eigenschaften, so die Autoren.

     

Eine kranke Leber schweigt (zu) lange

Stuttgart, November 2020 – Die Leber ist eines der wichtigsten Organe unseres Körpers, denn ihre Fähigkeiten retten uns jeden Tag das Leben. Sie ist die Schaltzentrale unseres Stoffwechsels und steuert Hormonproduktion, Energiegewinnung und Entgiftung. Doch was wissen wir über sie? Meist relativ wenig. Denn die Leber schmerzt nicht, wenn ihr zu viel zugemutet wird, beispielsweise durch falsche Ernährung, Alkohol oder Medikamente. Professor Dr. Ansgar W. Lohse, Leberspezialist und Klinik-Direktor am Universitäts-Klinikum Hamburg Eppendorf (UKE), informiert in „Das Schweigen der Leber“ (TRIAS Verlag, Stuttgart. 2020) gemeinsam mit dem Journalisten Ulf C. Goettges über das Organ: was dieser stille Arbeiter alles leistet, was die Leber krank macht und wie man sie sorgsam pflegt.

In Deutschland leben mindestens fünf Millionen Leberpatienten. Und etwa jeder vierte Deutsche hat eine vor allem durch ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung verursachte Fettleber – meist ohne es zu wissen. „Trotz der weiten Verbreitung von Lebererkrankungen gibt es erstaunlicherweise kaum Bücher für Laien – also für jeden, der sich fragt, wie dieses zentrale Organ eigentlich genau funktioniert“, so die Autoren. Aus diesem Grund haben es sich Professor Lohse, der mehrere große Verbünde zur Leberforschung leitet, und Ulf C. Goettges zur Aufgabe gemacht über das Thema Lebergesundheit zu informieren: „Wir möchten jenes Wissen vermitteln, das es uns ermöglicht, die faszinierenden Fähigkeiten der Leber zu verstehen und sie gut zu behandeln. Denn Wissen ist die beste Medizin.“

„Die Liste der einzigartigen Fähigkeiten der Leber ist beeindruckend: Sie kann eigene Medikamente produzieren. Sie steuert die Blutgerinnung. Sie kann uns auch dann mit Energie versorgen, wenn wir nichts mehr zu essen haben“, erklären die Autoren. Sie ist aber auch das duldsamste Organ unseres Körpers. Das führt häufig zu Problemen, denn die Leber leidet still, wenn sie zu sehr gefordert wird. „Aber die Leber hat auch unglaubliche Regenerationsfähigkeiten: Sie hält härtesten Beanspruchungen stand und heilt oft wieder – sofern man sie danach in Ruhe lässt“, so Professor Lohse.

Warum waren Asterix und Obelix der Leber-Diagnostik um Jahrzehnte voraus? Aus welchem Grund gehören Gummibären in den Käfig und nicht in die Tüte? Welche Gefahren lauern womöglich in der „Maurermarmelade“ (Thüringer Mett)? Und wie kam es, dass in einem Käsekeller eines der wichtigsten Diagnose-Verfahren in der Leber-Diagnostik erfunden wurde? All diese Fragen beantworten die Autoren in ihrem Buch. Außerdem räumen sie mit Mythen auf, die sich zum Thema Lebergesundheit hartnäckig halten. Alkoholpausen tun der Leber beispielsweise nicht in jedem Fall gut. „Wenn nach einer längeren Alkoholpause sofort das alte Level wieder erreicht wird, identifiziert die Leber Alkoholbestandteile als Gift und fängt an, sie zu bekämpfen. Die Folge: akute Leberentzündung“, klären die Autoren auf. Auch hilft es der Leber nicht, wenn man Medikamente als Pflaster oder Creme statt als Tabletten anwendet. Denn egal, wie man ein Medikament einnimmt – die Wirkstoffe erreichen über den Blutkreislauf immer die Leber und werden dort verstoffwechselt.

„Die Evolution hat die Leber nicht mit Schmerzsensoren ausgestattet. Das Schweigen der Leber birgt die große Gefahr, dass man ihr schadet, ohne es zu merken. Das kann sich rächen. Umgekehrt, sie nett und fürsorglich zu behandeln, kann sich sehr lohnen“, ermutigen Lohse und Goettges.

Wissenswertes: Nicht-alkoholische Fettleber
Alkohol ist ein sehr häufiger Auslöser für tödlich verlaufende Fettlebererkrankungen. Aber unsere Ernährungsgewohnheiten haben die Fettleber auch ohne den Beitrag von Alkohol inzwischen zu einer weltweiten Volkskrankheit gemacht, welche die alkoholbedingten Leberschäden in vielen Ländern bereits überholt haben. Etwa 25 Prozent der Weltbevölkerung leiden inzwischen an einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankung, abgekürzt NAFL. „Die gute Nachricht: Eine Umstellung der Ernährung (weniger Fett, weniger Zucker, keine großen Mahlzeiten am späten Abend), kombiniert mit mehr Bewegung, kann das Problem lösen. Erste Grundregel: Essen Sie mehr Gemüse, weniger Fett, aber bitte nicht mehr Obst! (Warum? Weil Obst sehr viel Fruktose, das heißt Fruchtzucker, enthält, der für die Leber sogar deutlich problematischer ist als ganz normaler Zucker.)“, erklären Lohse und Goettges.

Die Autoren:
Professor Dr. Ansgar W. Lohse studierte Medizin und Philosophie in Göttingen, London und Harvard. Dame Sheila Sherlock, die Begründerin des Faches Hepatologie (Leberkunde), führte ihn in London in die fantastischen Welten der Leber ein. Nach Forschungszeit am Weizmann-Institut in Israel und Ausbildung in Mainz ist er heute Klinikdirektor am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Lohse leitet mehrere große Verbünde zur Leberforschung. 2018 berief ihn die Europäische Kommission zum Koordinator des Europäischen Referenznetzwerkes für Lebererkrankungen.

Ulf C. Goettges war Mitglied der Chefredaktionen von Welt am Sonntag, Berliner Zeitung und der Bild-Zeitung. Heute arbeitet er als (Buch-)Autor. Die Begeisterung für das Thema „Leber“ entdeckte er als Patient. Nachdem ihm Professor Lohse und sein Team das Leben gerettet hatten, stellte er so viele Fragen, dass daraus die gemeinsame Idee zu diesem Buch entstand.

Buchtipp

Das Schweigen der Leber
Ansgar W., Ulf C.Das Schweigen der Leber

Die lebenswichtigen Geheimnisse eines stillen Organs

EUR [D] 16,99Inkl. gesetzl. MwSt.

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