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    Wenn man alle Gläser voll Champagner, Weißwein, Sherry und Portwein zusammenzählt, hat Butler James nach dem Dinner mit Miss Sophie 16 Gläser Alkohol und somit 192 Gramm reinen Alkohol intus.

     

„Dinner for One“: Kein Fest für die Leber von Butler James!

Stuttgart, November 2020 – Die Leber hat keine Schmerzsensoren. Deshalb macht sie sich nicht bemerkbar, wenn ihr zu viel zugemutet wird. Lang erträgt sie still falsche Ernährung, Alkohol oder Medikamente. Professor Dr. Ansgar W. Lohse, Leberspezialist und Klinik-Direktor am Universitäts-Klinikum Hamburg Eppendorf (UKE), stellt in dem Buch „Das Schweigen der Leber“ (TRIAS Verlag, Stuttgart. 2020) gemeinsam mit dem Journalisten Ulf C. Goettges das faszinierende Organ vor. Unter anderem haben die beiden den Alkoholpegel des berühmten Butlers James aus dem Fernsehklassiker „Dinner for One“ ausgerechnet. Ihr Fazit: Was James konsumiert, entspricht etwa dem Zehnfachen der Tagesration, die Männer ohne medizinische Bedenken zu sich nehmen können. Am 8. Dezember stellen Lohse und Goettges ihr Buch im Rahmen einer TRIAS Online-Pressekonferenz vor.

Die meisten Deutschen kennen Butler James und freuen sich auf das alljährliche Wiedersehen am Silvesterabend vor dem Fernseher. In „Dinner for One“ lädt Miss Sophie anlässlich ihres neunzigsten Geburtstages ihre engsten Freunde ein. Da sie alle aber bereits verstorben sind, kommt ihrem Butler James die Aufgabe zu, deren Rollen zu übernehmen. Wieder und wieder stößt er mit Miss Sophie auf ihren Geburtstag an. „Bekanntermaßen ist der arme James am Ende des Dinners stockbetrunken. Aber wie blau ist er eigentlich wirklich?“, wollten die Autoren von „Das Schweigen der Leber“ wissen und haben nachgerechnet. Wenn man alle Gläser voll Champagner, Weißwein, Sherry und Portwein zusammenzählt, kommt man auf beachtliche Zahlen: Nach dem Dinner mit Miss Sophie hat James 16 Gläser Alkohol und somit 192 Gramm reinen Alkohol intus, wenn man vom normalen 0,1l-Standardglas und einem durchschnittlichen Alkoholgehalt der Getränke von zwölf Volumenprozent ausgeht. Insgesamt sind das rund 3,92 Promille. Das entspräche, so die Autoren, dem Zehnfachen der Tagesration an Alkoholika, die Männer aus Sicht von Medizinern bedenkenlos konsumieren können. „Dass es James in diesem Zustand noch die Treppe hoch schafft und schelmisch augenzwinkernd dem amourösen Dessert des Dinners entgegentorkelt, ist nur der dichterischen Freiheit geschuldet, denn tatsächlich drohen ab diesem Promillewert Lähmungen, Atemstillstand und sogar der Tod“, so Professor Lohse.

Was macht Alkoholkonsum mit der Leber und welche Rolle spielen zu viel Bier, Wein und andere geistige Getränke bei der Gesundheit des Organs? „Trinken wir Alkohol, werden kleine Anteile davon über Nieren, Lunge und Haut ausgeschieden, aber die restlichen mindestens 90 Prozent sind aus der Perspektive der Leber schlicht Gift“, erklären die Autoren. Das Organ versucht, seiner Bestimmung folgend, das Gift aus dem Körper zu entfernen. „Dabei gerät die Leber in ein tragisches Dilemma: Statt zu entgiften, bleibt ihr nichts anderes übrig, als uns zu vergiften. Denn sie kann nicht anders, als den Alkohol in sehr unappetitliche chemische Substanzen umzuwandeln. Wenn Sie nach einer Partynacht mit Kopfschmerzen und Übelkeit aufwachen, haben Sie es auch diesen Substanzen zu verdanken“, erklären die Autoren.

Zu viel Alkohol kann außerdem zu einer Fettleber führen. „Nicht weil Wein oder Bier Fett enthalten, sondern der Abbauprozess das Fett erzeugt“, erklärt Professor Lohse. Aber die Autoren haben auch eine gute Nachricht: Die Leber ist das duldsamste Organ unseres Körpers. „Sie hat unglaubliche Regenerationsfähigkeiten: Sie hält härtesten Beanspruchungen stand und heilt oft wieder – sofern man sie danach in Ruhe lässt.“ Wenn man nicht gerade so große Mengen an Alkohol zu sich nimmt wie Butler James, hat dieser normalerweise keinen Einfluss auf die Gesundheit der Leber: „Kleine Mengen Alkohol schaden der Leber überhaupt nicht, auch wenn sie krank ist. Ein absolutes Alkoholverbot gilt nur, wenn der Patient alkoholkrank ist oder an einer alkoholischen Zirrhose leidet“, klären die Autoren auf.

Terminhinweis: TRIAS Online-Pressekonferenz
Das Schweigen der Leber: Was das Kraftorgan leistet und wie man es gesund hält
Termin: Dienstag, 8. Dezember, 11:00 bis 12:00 Uhr
Anmeldung und Link für die Teilnahme an der Online-Pressekonferenz: https://register.gotowebinar.com/register/4787313620508335883

Warum waren Asterix und Obelix der Leber-Diagnostik um Jahrzehnte voraus? Aus welchem Grund gehören Gummibären in den Käfig und nicht in die Tüte? Welche Gefahren lauern womöglich in der „Maurermarmelade“ (Thüringer Mett)? Und wie kam es, dass in einem Käsekeller eines der wichtigsten Diagnose-Verfahren in der Leber-Diagnostik erfunden wurde? Diese und ähnliche Fragen beantworten die beiden Referenten in der Online-Pressekonferenz. Außerdem erklären sie, warum die Leber eines der wichtigsten Organe unseres Körpers ist, welche häufigen Lebererkrankungen es gibt und wie man die Leber durch bewusstes Essen und Trinken schont. Die Autoren räumen auch mit Mythen auf, die sich zum Thema Lebergesundheit hartnäckig halten. Alkoholpausen tun der Leber beispielsweise nicht in jedem Fall gut und es hilft ihr auch nicht, wenn man Medikamente als Pflaster oder Creme statt als Tabletten anwendet.

Die Autoren:

Prof. Dr. Ansgar W. Lohse studierte Medizin und Philosophie in Göttingen, London und Harvard. Dame Sheila Sherlock, die Begründerin des Faches Hepatologie (Leberkunde), führte ihn in London in die fantastischen Welten der Leber ein. Nach Forschungszeit am Weizmann-Institut in Israel und Ausbildung in Mainz ist er heute Klinikdirektor am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Lohse leitet mehrere große Verbünde zur Leberforschung. 2018 berief ihn die Europäische Kommission zum Koordinator des Europäischen Referenznetzwerkes für Lebererkrankungen.

Ulf C. Goettges war Mitglied der Chefredaktionen von Welt am Sonntag, Berliner Zeitung und der Bild-Zeitung. Heute arbeitet er als (Buch-)Autor. Die Begeisterung für das Thema „Leber“ entdeckte er als Patient. Nachdem ihm Prof. Lohse und sein Team das Leben gerettet hatten, stellte er so viele Fragen, dass daraus die gemeinsame Idee zu diesem Buch entstand.

Buchtipp

Das Schweigen der Leber
Ansgar W., Ulf C.Das Schweigen der Leber

Die lebenswichtigen Geheimnisse eines stillen Organs

EUR [D] 16,99Inkl. gesetzl. MwSt.

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