Emphysem: Ventil in den Bronchien lindert Atemnot

Stuttgart, März 2009 – Menschen mit einem Lungenemphysem, einer unumkehrbaren Überblähung des Lungengewebes, leiden häufig unter unerträglicher Luftnot. Ein kleines Ventil in den Atemwegen könnte die Beschwerden lindern und die Lebensqualität verbessern. Bislang wurde die Therapie bei vielen Betroffenen nicht angewandt, wie die Ergebnisse einer Pilotstudie in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) zeigen.

Bei der in der Fachsprache chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), werden allmählich die Wände in den kleinen Lungenbläschen zerstört. Es bilden sich größere Blasen mit insgesamt weniger Oberfläche, aus denen nur unzureichend Sauerstoff ins Blut gelangt. Beim Ausatmen kollabieren die darüber liegenden kleineren Atemwege, und durch die "gefangene" Luft ist die Lunge überbläht. Vor einigen Jahren fanden Chirurgen heraus, dass eine Verkleinerung der Lunge den Sauerstoffaustausch verbessern kann. Heute müssen die Patienten dazu nicht mehr operiert werden. Das gleiche Ziel kann häufig mit einem Ventil erreicht werden, das die Ärzte mit Hilfe eines Bronchoskops in einem Atemweg platzieren.

Das Ventil lässt keine neue Luft mehr eindringen. Wenn die alte Luft aus den Emphysemblasen entweicht, schrumpft der Lungenlappen und die umgebenden Lungen haben mehr Platz zum Atmen. Dies wird nicht bei allen Patienten erreicht, erläutert Dr. Ralf Eberhardt vom Universitätsklinikum Heidelberg, doch vielen Patienten geht es nach der bronchoskopischen Lungenvolumenreduktion, die wie Ärzte die Therapie nennen, besser als vorher.

Verständlicherweise platzieren die Ärzte das Ventil in einen besonders stark vom Emphysem betroffenen Bereich der Lunge. Bei vielen Patienten sind die Blasen jedoch gleichmäßig, also homogen, über die Lungen verteilt. Hier waren die Operationsergebnisse bisher schlecht. In einer größeren Studie lag die Sterblichkeit der Patienten sogar höher als ohne Operation, berichtet Dr. Eberhardt.

Diese Patienten wurden deshalb auch von der bronchoskopischen Lungenvolumenreduktion ausgeschlossen. Das könnte sich jedoch ändern. An der Thoraxklinik der Universität Heidelberg werden seit Mitte 2006 vereinzelt auch Patienten mit homogenem Emphysem behandelt. Die Ergebnisse an den ersten zehn Patienten sind laut Dr. Eberhardt vielversprechend. Sieben Patienten berichteten nach dem Eingriff über eine deutliche Verbesserung ihrer Atemnot und ihrer Belastbarkeit, obwohl nur bei zweien das Behandlungsziel, ein völliger Kollaps des stillgelegten Lungenlappens erreicht wurde. Möglicherweise ergibt sich für diese Patienten, denen durch eine Operation nicht mehr geholfen werden kann, ein neuer Behandlungsansatz. Klären kann dies nur eine größere Studie. Außerhalb dieses wissenschaftlichen Versuchs könne die Therapie deshalb derzeit noch nicht empfohlen werden. Grundsätzlich komme eine bronchoskopische Lungenvolumenreduktion nur in Frage, so Dr. Eberhardt, wenn Medikamente, körperliches Training und eventuell auch eine Sauerstofftherapie keine Linderung mehr verschaffen. Eine Heilung des Emphysems ist durch die Lungenvolumenreduktion nicht möglich. Es gibt derzeit keine Therapie, die den weiteren Verfall der Lungenfunktion aufhalten kann.

R. Eberhardt et al.:
Bronchoskopische Lungenvolumenreduktion bei Patienten mit schwerem homogenem Lungenemphysem: eine Pilotstudie.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (11): S. 506-510

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