Neu entdeckt: Fünfter Malaria-Erreger wird zur Gefahr für den Menschen

Stuttgart, Februar 2010 - Touristen, die sich in Südostasien abseits der üblichen Reiserouten bewegen, riskieren die Infektion mit einer gefährlichen neuen Variante der Malaria. Tropenmediziner hatten diese Form lange Zeit nur bei Affen vermutet. Doch der Parasit Plasmodium knowlesi kann auch Menschen befallen. Da schwere Verläufe möglich sind, raten Experten in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010) Rückkehrern, bei unklaren Fiebererkrankungen einen Arzt aufzusuchen. Mithilfe von Gentests lässt sich der Erreger eindeutig identifizieren. Tropische Erreger und Reiseinfektionen sind auch Thema des 116. Internistenkongresses, der vom 10. bis 14. April 2010 in Wiesbaden stattfindet.

Mehr als 260 verschiedene Plasmodien, wie die Malaria-Erreger genannt werden, infizieren Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere. Etwa 25 Typen von Plasmodien befallen auch Affen. Malariaexperten gingen aber bisher davon aus, dass nur vier Plasmodien für die drei Malariaerkrankungen beim Menschen verantwortlich sind: P. malariae für das Viertagefieber, P. vivax und P. ovale für das Dreitagefieber und P. falciparum für die gefürchtete Malaria tropica, bei der ein Wechsel zwischen Fieber und fieberfreien Intervallen fehlt.

Die Diagnose der Malaria erfolgte lange Zeit nur durch den mikroskopischen Nachweis der Erreger im Blut und später durch Antigen-Tests. Beides erlaubt jedoch nicht immer, sicher zwischen den Plasmodien zu unterscheiden, die Menschen und Affen infizieren, erläutert Professor Justus Schottelius vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Dies gelingt erst mit Gentests, die spezielle Abschnitte im Erbgut der Erreger nachweisen. Dabei stellte sich heraus, dass das bisher nur bei Affen vermutete P. knowlesi nicht nur in seltenen Ausnahmefällen den Menschen infiziert. Bereits über 500 Übertragungen des Affenplasmodium auf den Menschen wurden nach Auskunft des Experten nachgewiesen. Die Erkrankungen traten im südostasiatischen Raum auf. Nur dort und in Regionen Südindiens und Sri Lankas ist P. knowlesi verbreitet. Ein Ansteckungsrisiko besteht nach Einschätzung von Professor Schottelius vor allem in Waldgebieten, in denen die infizierten Affen leben. Die Übertragung erfolgt durch die Anopheles-Mücke, die Menschen und Affen gleichermaßen sticht.

Dass auch Touristen gefährdet sind, zeigen erste importierte Fälle. Der Tropenmediziner berichtet über Erkrankungen in Finnland bei einem Rückkehrer aus Malaysia, in den USA bei einem Rückkehrer von den Philippinen und in Schweden bei einem Rückkehrer aus Sarawak, einem Bundesstaat von Malaysia. Damit muss auch in Deutschland mit Erkrankungen gerechnet werden, die nach den bisherigen Erfahrungen für den Menschen tödlich verlaufen können, betont Mitautor Professor Gerd-Dieter Burchard vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der auf einer Pressekonferenz auf dem 116. Internistkongress über das Thema informiert.

Die Symptome können wie bei anderen Formen einer Malaria zunächst unspezifisch sein. Professor Schottelius: "Die Patienten leiden unter Kopfschmerzen, Fieber, kaltem Schweiß, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen, eventuell auch unter Durchfall. Die Fieberschübe treten typischerweise jeden Tag auf." Wie bei einer Malaria tropica sind Organkomplikationen möglich. Es kann zu Lähmungen und Krampfanfällen kommen oder auch zu einem akuten Nierenversagen. "Die Patienten müssen daher im Krankenhaus überwacht werden, und es sollte Kontakt mit einer tropenmedizinischen Einrichtung aufgenommen werden", rät der Experte. Von entscheidender Bedeutung ist eine rasche Therapie, die mit den älteren Medikamenten Chinin und Chloroquin möglich ist. Eine Häufung von Chloroquinresistenzen wie bei anderen Plasmodien sei bisher nicht beobachtet worden. Nach Einschätzung von Professor Schottelius muss das Affenplasmodium P. knowlesi als fünfte Plasmodienart des Menschen betrachtet werden.

J. Schottelius et al:
Plasmodium knowlesi: ein neuer Malariaerreger des Menschen.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2010; 135 (7): S. 297-300

Terminhinweise im Rahmen des 116. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM):
Session:
Probleme der Globalisierung - Wenn der Erreger mitreisen will.
Samstag, 10. April 2010 (Saal 2C) 8.15 bis 9.45 Uhr
Rhein-Main-Hallen Wiesbaden

Eröffnungs-Pressekonferenz: Infektiologie
Ein Thema: Reiseinfektionen, Referent:
Professor Gerd-Dieter Burchard, Hamburg
Samstag, 10. April 2010, 13.00 bis 14.00 Uhr
Rhein-Main-Hallen, Wiesbaden, Saal 12 D

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