• Übertragermücke sticht in Haut © istockphoto / CHBD

    © istockphoto / CHBD

     

Neu-Delhi: Erste Malariafälle seit fünf Jahren

Düsseldorf, August 2017 – Seit Anfang des Jahres verzeichnet die Metropolregion Delhi 162 Malaria-Erkrankungen, 82 Infektionen wurden in der Stadt selbst erworben. In Neu-Delhi waren in den vergangenen fünf Jahren keine neuen Fälle mehr aufgetreten. Indien gilt nach den Hochrisikoregionen in Afrika als das Land mit dem höchsten Infektionsrisiko für Malaria, insbesondere in der Monsunzeit von Juni bis September. Das CRM rät Touristen, sich rechtzeitig vor der Abreise nach Indien reisemedizinisch beraten zu lassen: Je nach Reisegebiet ist eine Chemoprophylaxe oder die Mitnahme von Medikamenten zur Selbsttherapie ratsam.

Seit Beginn des Jahres wurden in Indien landesweit 352.013 Erkrankungen und 30 Todesfälle registriert. „Wir raten Touristen und Geschäftsreisenden, die nach Indien fliegen, sich spätestens zwei Wochen vor Abreise reisemedizinisch beraten zu lassen, ob und in welchem Umfang eine Malariaprophylaxe angebracht ist“, erklärt Professor Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM. Am stärksten von der Malaria betroffen sind derzeit die Bundesstaaten Maharashtra und Gujarat. Die höchsten Fallzahlen verzeichnet der Bundes-staat Orissa. „Gerade für Reisen in diese im Nordosten gelegenen Bundesstaaten sollte man sich bei einem Reisemediziner über eine Chemoprophylaxe informieren,“ so Jelinek. Anhand einer Risikoabschätzung aufgrund der geplanten Reiseroute und den aktuellsten Meldungen zur Verbreitungslage der Malaria entscheide der Arzt dann, ob eine Chemoprophylaxe eingenommen werden solle und falls ja, welche. Entscheidend dafür sei auch, ob der Reisende an Grundkrankheiten leide und wie lange und auf welche Art und Weise er reise. „Gefährdeter ist beispielsweise, wer als Rucksacktourist viel herumreist oder sich abends beziehungsweise nachts oft im Freien aufhält“, erläutert Jelinek. Auch lange Aufenthalte, Berufsreisen und Reisen in der Regenzeit gingen mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher.

„Generell sollten alle Reisenden in Indien auf sehr guten Mückenschutz achten“, betont Professor Jelinek. Dazu gehören das Auftragen von Repellentien auf die Haut, das Tragen langer Kleidung und die Verwendung von Moskitonetzen. Auch in Städten wie Neu-Delhi sei diese gute Expositionsprophylaxe besonders wichtig, da sich die Überträgermücke an die städtischen Brutbedingungen in weniger sauberem Wasser angepasst habe.

Jedes unklare Fieber, das während der Reise auftritt, sollte möglichst noch vor Ort durch einen Arzt abgeklärt werden. „Malariamittel zur Selbstbehandlung sollten nur im Notfall eingenommen werden, wenn vor Ort kein Arzt erreichbar ist“, so Jelinek. Oft erkrankten Betroffene jedoch auch erst nach ihrer Rückkehr. Symptome treten ab dem sechsten Tag nach dem Mückenstich auf, nicht selten äußert sich eine Malaria aber erst Wochen oder Monate nach der Rückkehr. „Viele Betroffene denken dann zunächst an einen grippalen Infekt. Wer aber einen Aufenthalt in den Tropen oder Subtropen hinter sich hat, sollte bei Fieber immer auch an die Möglichkeit einer Malaria denken und einen Arzt aufsuchen, auch wenn die Reise schon länger her ist“, sagt Jelinek.

Nach dem Malaria Report 2016 der World Health Organisation (WHO) ist die Zahl der Malaria-Neuerkrankungen in den Jahren 2010 bis 2015 weltweit um 21 Prozent gesunken und die Zahl der Malariatoten um 29 Prozent zurückgegangen. Zahlreiche Institutionen wie die WHO aber auch private Initiativen arbeiten weiter an der Eindämmung der Malaria. Der Erfolg dieser globalen Malaria-Bekämpfung wird jedoch durch den Klimawandel, politische Krisen und Resistenzen gegen das wichtigste Therapiemittel Artemisinin gefährdet. Weltweit erkrankten nach Schätzungen der WHO im Jahr 2015 immer noch rund 212 Millionen Menschen neu an Malaria, 429 000 starben. 90 Prozent aller Malariafälle traten 2015 in Afrika auf, dem am stärksten betroffenen Teil der Erde. Indien verzeichnete im gleichen Jahr 1.059.405 Infektionen und 242 Todesfälle.

Quellen
http://www.who.int/malaria/media/world-malaria-report-2016/en/