Damit Mama nicht mehr raucht: Wie eine Telefonberatung die Tabakentwöhnung unterstützt

fzm – Für eine nachhaltige Tabakentwöhnung sind Mutter-Kind-Kuren zu kurz. Eine anschließende Telefonberatung konnte in einer Studie, die in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) veröffentlicht wurde, die Erfolgsrate jedoch deutlich steigern – vorausgesetzt die Telefonberater setzen die richtige Gesprächstechnik ein.

Rauchende Mütter gefährden nicht nur ihre eigene Gesundheit, sondern auch die ihrer Kinder. Deshalb bieten viele Rehakliniken für Mütter inzwischen Tabakentwöhnungsmaßnahmen an. Da eine Mutter-Kind-Kur in der Regel nur drei Wochen dauert, wird diskutiert, ob eine anschließende Telefonberatung die Ergebnisse verbessern könnte. Dr. Stephanie Flöter und Dr. Christoph Kröger vom Institut für Therapieforschung in München haben zwei unterschiedliche Telefonberatungen untersucht. Mehr als 500 Frauen aus 21 deutschen Präventions- und Rehabilitationskliniken für Mütter beteiligten sich an der Studie. Die Mütter wurden dreimal angerufen: einmal direkt nach dem Ende der Kur, dann nach zwei Wochen und ein letztes Mal nach weiteren drei Wochen. Jedes Telefonat dauerte im Durchschnitt nur neun Minuten. Dennoch half es vielen Frauen, die Tabakabstinenz durchzuhalten, berichten die Psychologen.

Der Erfolg hing allerdings davon ab, wie die speziell geschulten Beraterinnen das Gespräch durchführten: Eine Gruppe der abstinenzwilligen Frauen wurde auf non-direktive Weise angesprochen. Die Beraterinnen erkundigten sich allgemein nach dem Befinden der Frauen und beschränkten sich auf das aktive Zuhören. Sie unterließen es, Ratschläge zu erteilen und mit den Frauen bestimmte Fähigkeiten zu trainieren, damit diese dem Drang nach der Zigarette widerstehen konnten. Der Anteil der Frauen, der abstinent blieb, konnte zwar leicht gesteigert werden. Der Unterschied war aber statistisch nicht signifikant, will heißen: Es könnte sich auch um ein Zufallsergebnis gehandelt haben.

Ganz anders war die Wirkung nach einer strukturierten Gesprächsführung. Hier kamen die Beraterinnen schnell zum Thema, dem aktuellen Rauchstatus. Sie lobten die Abstinenz, analysierten die "Ausrutscher" und versuchten Frauen, die rückfällig geworden waren, zu einem neuen Aufhörversuch zu motivieren. Die Beraterinnen hielten sich beim Telefonat an die Anweisungen aus einem Handbuch. Viele Frauen empfanden diese strukturierte Gesprächsführung zwar als lästig und manche fühlten sich auch unter Druck gesetzt. Dennoch fiel ihre abschließende Bewertung positiv aus. Am Ende war die strukturierte Nachbetreuung erfolgreich: Sechs Monate nach dem Ende der Kur waren 31,5 Prozent der Frauen tabakabstinent. In einer Kontrollgruppe, in der keine Telefonberatung erfolgt war, schafften dies nur 19,1 Prozent der Teilnehmerinnen. Berücksichtigt man, dass die Frauen, die eine Telefonberatung erhielten, am Anfang weniger motiviert waren als in der Kontrollgruppe, und auch in anderen Punkten Nachteile hatten, war die Abstinenzrate nach der strukturierten Telefonberatung sogar doppelt so hoch wie in der Kontrollgruppe, schreiben Flöter und Kröger.

Nach Einschätzung der beiden Suchtexperten ist die strukturierte Telefonberatung eine sinnvolle Ergänzung zu den Tabakentwöhnungskursen in den Reha-Kliniken. Bereits drei kurze Telefonate könnten die Frauen bei der Tabakabstinenz unterstützten und ihnen Bewältigungsstrategien ("coping skills") gegen den drohenden Rückfall vermitteln. Über weitere Ansätze zur Tabakentwöhnung und Suchtprävention diskutieren Experten auf dem
3. Nationalen Präventionskongress am 27. und 28. November 2009 in Dresden.

S. Flöter, C. Kröger:
Wirksamkeit telefonischer Nachsorge im Anschluss an ein Tabakentwöhnungsprogramm für Frauen in stationärer Rehabilitation.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (47): S. 2382-2387

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