Masernimpfung: niedrigschwellige Impfangebote statt Impfzwang

Düsseldorf, Februar 2015 – Die Zahl der Masern-Erkrankungen in Deutschland steigt weiter an, in Berlin ist ein Todesfall aufgetreten. Eine Impfung schützt zuverlässig gegen die Krankheit. Dennoch sind viele in Deutschland nicht oder nicht vollständig geimpft. Mitunter meiden Menschen Impfungen bewusst. Oft versäumen sie jedoch schlicht Impfberatung und Impftermine, so Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. Neben umfassender Information und Aufklärung über Impfungen, könnten deshalb vor allem leicht zugängliche Angebote helfen, die Impfraten zu steigern.

Seit Anfang des Jahres registrierten Berliner Behörden 447 Masernfälle, mehr als in ganz Deutschland im vergangenen Jahr. Mehr als die Hälfte aller Fälle betreffen derzeit Jugendliche und junge Erwachsene, die ganz überwiegend nicht geimpft waren. „Masern sind eine schwere Systemerkrankung mit potentiell tödlichen Komplikationen“, warnt Infektiologe Jelinek. Etwa jeder tausendste Patient entwickelt eine Lungenentzündung oder eine Entzündung des Gehirns. Eine der gefährlichsten Folgeerkrankungen ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis. Diese Entzündung des gesamten Gehirns kann noch vier bis zehn Jahre nach einer Masernerkrankung auftreten, sie verläuft fast immer tödlich. Da Masern nur im Menschen vorkommen, könnte die Infektion durch konsequente Impfungen sogar ausgerottet werden, so der Experte des CRM: „Dennoch liegen die Durchimpfungsraten in Deutschland deutlich unter dem Niveau, das nötig wäre, um die Krankheit zuverlässig zurückzudrängen.“

Die aktuell diskutierte Einführung einer Impfpflicht sei jedoch wenig geeignet, um die Impfraten zu erhöhen. „Derartige Zwangsmaßnahmen provozieren oft eine Abwehrhaltung“, so Jelinek. Neben der umfassenden Aufklärung über Impfungen müssten vor allem mehr Angebote geschaffen werden, die einen niedrigschwelligen Zugang zu Impfungen ermöglichen. Erfahrungen aus der Reisemedizin zeigen, dass Impfberatungen vor allem dann angenommen werden, wenn sie leicht verfügbar und ohne großen Aufwand zugänglich sind – also beispielsweise ohne vorherige Terminvereinbarungen und auch samstags. „Umfragen im Rahmen der reisemedizinischen Vorsorge zeigen, dass bis zu 42 Prozent der dort beratenen jungen Erwachsenen seit ihrer Kindheit nicht mehr beim Arzt waren und Standardimpfungen nicht aufgefrischt wurden“, so Jelinek. Auch die reisemedizinische Beratung sollte deshalb stets Anlass sein, Standardimpfungen, etwa die gegen Masern, aufzufrischen und nachzuholen.