Mayaro-Virus: Aktuelle Untersuchung deutet auf Ausbreitung hin

Düsseldorf, November 2016 – Eine aktuelle Untersuchung deutet darauf hin, dass sich das noch wenig bekannte Mayaro-Virus ausbreitet. Nach vereinzelten Ausbrüchen in Regionen nahe des Amazonas-Regenwaldes, die in der Vergangenheit örtlich begrenzt blieben, haben Wissenschaftler das Virus nun auch bei einem an Fieber erkrankten Kind in Haiti nachgewiesen. Der aktuelle Fall könnte ein Hinweis sein, dass der von Mücken übertragene Erreger bereits in der Karibik zirkuliere, schreiben die Forscher in einer aktuellen Veröffentlichung im Emerging Infectious Diseases journal. Eine mögliche Ausbreitung des Virus müsse sorgfältig beobachtet werden, so das CRM Centrum für Reisemedizin. Reisende sollten sich bei Aufenthalten in tropischen und subtropischen Regionen sorgfältig vor Mückenstichen schützen. Mückenübertragene Infektionen sind dort weit verbreitet.

Das Mayaro-Virus gehört, ebenso wie das Chikungunya-Virus, zur Gattung der Alphaviren. Der durch Stechmücken übertragene Erreger wurde 1954 in Trinidad entdeckt. Zu den Symptomen einer Mayaro-Infektion zählen Fieber, Muskel- und Gelenkbeschwerden, Kopf- und Augenschmerzen sowie Hautausschlag. Mitunter kommt es auch zu Bauchschmerzen, Erbrechen und Schwindel. Nach derzeitigem Wissensstand heilt die Erkrankung meist folgenlos aus.

„Eine Infektion mit dem Mayaro-Virus ähnelt in ihrer Symptomatik sehr dem Dengueund Chikungunya-Fieber“, erklärt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. Die Ärzte, die das Virus bei einem Jungen aus Haiti diagnostiziert hatten, warnen deshalb vor einer Verwechslungsgefahr mit den beiden bekannteren Erkrankungen. „Das Virus könnte in der Karibik theoretisch schon viel häufiger aufgetreten und damit unterdiagnostiziert sein“, erläutert Jelinek.

Das Mayaro-Virus ist bislang wenig erforscht. So ist etwa sein Potenzial, größere Ausbrüche in Form von Epidemien zu verursachen, nicht bekannt. „Es ist wichtig, eine mögliche Ausbreitung dieses Virus genau im Blick zu behalten“, sagt Jelinek. „In den vergangenen Jahren haben wir bereits an den Beispielen Chikungunya- und Zika-Virus erlebt, wie sich vormals lokal begrenzte Infektionen in kurzer Zeit rasant verbreiteten und Erreger teils erst dann ihr ganzes gesundheitliches Schadenspotenzial offenbarten.“

Bei Reisen in tropische und subtropische Regionen sollten sich Urlauber grundsätzlich vor Mückenstichen schützen. CRM-Experten empfehlen Reisenden, helle und möglichst geschlossene Kleidung zu tragen sowie freie Hautstellen mit Repellents zu schützen. Die chemischen Substanzen wehren Insekten ab. Für Aufenthalte in den Tropen und Subtropen eignen sich Mittel mit dem Wirkstoff DEET in einer Konzentration ab 30 Prozent. Nachts schützen über dem Bett angebrachte Moskitonetze vor Stichen.

Quellen:

Lednicky J., Beau De Rochars VM., Elbadry M., Loeb J., Telisma T., Chavannes S. et al.:
Mayaro virus in child with acute febrile illness, Haiti, 2015. Emerg Infect Dis. 2016 Nov.
http://dx.doi.org/10.3201/eid2211.161015