MEDICA-Förderpreis für Morbus-Fabry-Kompetenzzentrum: Bessere medizinische Behandlung für Menschen mit seltenen Erkrankungen

Stuttgart, November 2008 – Für viele, oft lebensbedrohliche, seltene Erkrankungen fehlen angemessene Therapien – so auch für die Stoffwechselkrankheit Morbus Fabry. Für den erfolgreichen Aufbau des Fabry-Zentrums Würzburg erhalten Privatdozent Dr. med. Frank Weidemann und Dr. med. Frank Breunig von der Medizinischen Universitätsklinik Würzburg jetzt den MEDICA-Förderpreis für interdisziplinäre Projekte in der Medizin. Die Zeitschrift „klinikarzt“ (Karl Demeter Verlag im Georg Thieme Verlag, Stuttgart) stiftet den mit 5 000 Euro dotierten Preis. Die MEDICA Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Medizin e. V. verleiht ihn am 19. November im Rahmen der MEDICA 2008 in Düsseldorf.

Eine Krankheit gilt dann als selten, wenn weniger als fünf von 10 000 Menschen davon betroffen sind. Rund 5 000 seltene Erkrankungen gibt es. In Deutschland leiden etwa vier Millionen Menschen an einer von diesen. Wenige Ärzte sind darauf spezialisiert. Aufgrund der niedrigen Fallzahlen sind Patienten oft unzureichend behandelt. „Die Kollegen Weidemann und Breunig haben hier ein Konzept vorgelegt, das wegweisend ist für die Behandlung und Erforschung seltener systemischer Krankheitsbilder“, betont Professor Dr. med. Werner Scherbaum, Präsident der MEDICA-Gesellschaft, Düsseldorf.

Im Mai 2001 gründeten die Internisten aus Würzburg ein Kompetenzzentrum für Morbus Fabry. Bei dieser genetisch bedingten Krankheit führt ein fehlerhaftes Eiweiß dazu, dass der Körper bestimmte Fette nicht mehr vollständig abbaut. Diese lagern sich in verschiedenen Körperzellen an. Die Folgen sind vielfältige Störungen im Bereich des Herzens, der Nieren, des Nervensystems, der Haut und der Blutgefäße. Letztere können zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Ohne Behandlung verkürzt sich die Lebenserwartung von Menschen mit Morbus Fabry daher auf 40 bis 50 Jahre. Bisher betreut das Fabry-Zentrum mehr als 130 Patienten.

Innerhalb des Zentrums betreuen schwerpunktmäßig die Abteilungen Kardiologie und Nephrologie die Morbus-Fabry-Patienten. Deshalb entschied die siebenköpfige Jury, den Herzspezialisten Frank Weidemann und den Nierenspezialisten Frank Breunig mit dem MEDICA-Förderpreis zu würdigen. Durch enge Zusammenarbeit mit Nervenärzten, Hautärzten, Kinderheilkundlern, Augenheilkundlern und Radiologen gelingt es den Würzburger Ärzten, die Behandlung von Morbus Fabry zu optimieren. Die langfristige Betreuung übernimmt der Hausarzt. Zudem dokumentieren die Ärzte den Langzeitverlauf der Erkrankung in einer zentralen Datenbank. Diese Daten haben inzwischen viele ungeklärte Fragen bei der Betreuung von Morbus-Fabry-Patienten beantwortet und auch die Therapie wesentlich verbessert – Fortschritte, die in einer Einzelbetreuung nicht möglich gewesen wären, so die Juroren.

Das Gremium setzt sich aus Vorstandsmitgliedern und Ehrenmitgliedern der MEDICA-Gesellschaft zusammen. Die Zeitschrift „klinikarzt“ (Karl Demeter Verlag im Georg Thieme Verlag, Stuttgart) als Organ der MEDICA-Gesellschaft wird einen Beitrag über das prämierte Projekt in Kürze veröffentlichen.