• Giovanni Maio © Oliver Lieber

    Der Medizinethiker Giovanni Maio kritisiert die „Machbarkeitsvorstellungen“ einer technisierten Medizin und plädiert für eine Ethik der Besonnenheit.

     

Medizin ohne Maß?

In der modernen Medizin erscheint alles möglich. Die Verbindung von Naturwissenschaft, Technik und Ökonomie suggeriert Planbarkeit, ein Leben ohne Beschwerden, Gesundheit ohne Grenzen und darüber hinaus auch ein „schöner, besser und leistungsfähiger“. Ungewollte Kinderlosigkeit, Krankheit, körperliche Unzulänglichkeiten oder die Abhängigkeit von anderen am Lebensende – mit nichts müssen wir uns mehr abfinden. Oder doch? Was macht diese Vorstellung von „Machbarkeit“ mit uns? Wird unser Leben durch die Verheißungen der modernen Medizin tatsächlich besser? Der Medizinethiker Professor Giovanni Maio kritisiert die Machbarkeitsvorstellungen einer technisierten Medizin und tritt für eine neue Ethik der Besonnenheit ein.

Begegnung in der Petrischale? – Reproduktionsmedizin zwischen Ausnahmezustand und technischer Normalität

Innerhalb nur weniger Jahrzehnte ist das ungeborene Kind, das eine Frau bislang im Sinne der guten Hoffnung einfach erwartete, ohne auf sein Kommen irgendeinen Einfluss nehmen zu können, zu einem scheinbar beliebig planbaren und zugleich diagnostisch überprüfbaren Objekt avanciert. Social Egg Freezing, Pränataldiagnostik, Abtreibung – was sind die Folgen, wenn die technischen Möglichkeiten das Kind mehr und mehr als planbares Produkt erscheinen lassen?

Schöner, besser, leistungsfähiger? – Warum wollen wir alles optimieren?

Ein neuer Begriff ist aufgetaucht in den ethischen Debatten: Human Enhancement, die Verbesserung des Menschen. Sie umfasst sowohl Bestrebungen, die Körperform des Menschen nach Belieben zu modellieren, als auch Ansätze, kognitive Leistungen wie die Konzentration oder das Gedächtnis zu optimieren oder der seelischen Stimmung durch entsprechende Präparate auf die Sprünge zu helfen. Was ist davon zu halten?

Gesundheit als Pflicht? – Eigenverantwortung als neues Paradigma

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Gesundheit als höchstes Gut angesehen wird – sowohl aus der Sicht des Einzelnen als auch der Bevölkerung. Gesundheit ist heute nicht mehr nur eine Sparte der Medizin, sondern zunehmend ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Empowerment lautet das neue Konzept: Aktivierung zur Eigenverantwortung und parallel dazu Rückzug des Staates aus seiner Fürsorgepflicht. Was aber sind die Grenzen und die Schattenseiten, wenn die Verantwortung für unsere Gesundheit immer mehr auf uns lastet?

Loslassen können – für eine neue Kultur des Sterbens

Das Sterbenmüssen ist eine existenzielle Grunderfahrung des Menschen. Die Aussicht auf den Tod und die Angst vor dem Leid und der Vergänglichkeit prägen das gesamte Leben. Im Zuge des Diktats des Machbaren tendieren wir heute dazu, auch das Sterben und den Tod als etwas Planbares zu begreifen, als etwas, dessen Zeitpunkt, Art und Umstände wir am liebsten selbst im Voraus bestimmen möchten. Wohin führt uns diese zunehmende Rationalisierung des Todes?

Buchtipp

Medizin ohne Maß?
Giovanni MaioMedizin ohne Maß?

Vom Diktat des Machbaren zu einer Ethik der Besonnenheit

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