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    Mehrsprachigkeit hat kognitive Vorteile. Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, sind beispielsweise mental flexibler und können abstrakter und unabhängiger von Worten denken.

     

Mehrsprachigkeit ist nicht der Grund für verzögerte Sprachentwicklung

Stuttgart, Juni 2013 – Lange dachte man, dass es für Kinder Nachteile hat, mehrsprachig aufzuwachsen. Aktuelle Studien belegen jedoch das Gegenteil: Die Mehrsprachigkeit hat kognitive Vorteile. Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, sind beispielsweise mental flexibler und können abstrakter und unabhängiger von Worten denken. So haben Kinder mit Migrationshintergrund nicht wegen ihrer Mehrsprachigkeit ein höheres Risiko für eine verzögerte Sprachentwicklung, sondern aufgrund von Armut und Bildungsferne. Darauf weist Wiebke Scharff Rethfeldt in dem Fachbuch „Kindliche Mehrsprachigkeit“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2013) hin.

Bis heute wird Eltern noch manchmal geraten, ihr Kind nicht mehrsprachig zu erziehen. Mehrsprachigkeit stelle eine zusätzliche Belastung für das kindliche Gehirn dar. „Führt man diese Überlegungen fort, hätte mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ein Problem“, so die Autorin. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Mehrsprachigkeit an sich keine Überforderung darstellt. Vielmehr wurde nachgewiesen, dass Mehrsprachigkeit sogar kognitive Vorteile mit sich bringt. Für Kinder mit Migrationshintergrund ist nicht ihre Mehrsprachigkeit das Problem. Sie zählen aufgrund der Verbindung von Migration, Armut und Bildungsferne zur Gruppe mit erhöhtem Entwicklungsrisiko. Das untermauern auch wissenschaftliche Untersuchungen: Sie zeigen, dass mehrsprachige Kinder weder häufiger noch seltener als einsprachige Kinder von einer Sprachentwicklungsstörung betroffen sind. Leidet ein Kind unter einer solchen Störung, sind bei mehrsprachigen Kindern immer sämtliche Sprachen betroffen.

„Mehrsprachigkeit – insbesondere unter den Bedingungen der Migration – ist ein komplexes Fachgebiet und die entsprechende Grundlagenforschung steckt noch immer in den Kinderschuhen“, erklärt die Autorin. In ihrem Buch stellt Scharff die empirischen Kenntnisse zur kindlichen Mehrsprachigkeit vor. Das Fachbuch richtet sich an Sprachtherapeuten und zeigt Zusammenhänge zwischen Sprachentwicklung und Mehrsprachigkeit auf, um ein zielgerichtetes sprachtherapeutisches Vorgehen möglich zu machen.

 

 

Buchtipp

Kindliche Mehrsprachigkeit
Wiebke Scharff RethfeldtKindliche Mehrsprachigkeit

Grundlagen und Praxis der sprachtherapeutischen Intervention

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