Minimalinvasive Chirurgie: Nicht immer ist die Operation durch das Schlüsselloch sinnvoll

Stuttgart, Februar 2011 – Für Eingriffe an Magen, Gallenblase oder Darm ist die minimalinvasive Chirurgie mittlerweile ein häufiges Operationsverfahren. Der Erfolg dieser Technik hängt jedoch erheblich von der Erfahrung des Chirurgen ab und nicht bei jedem Patienten ist das Verfahren sinnvoll. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Lege artis – Das Magazin zur ärztlichen Weiterbildung“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2011) geben erfahrene Ärzte einen Überblick über die Vor- und Nachteile der sogenannten Schlüsselloch-Chirurgie.

Das Operieren über kleine Zugänge in das Innere des Körpers bietet für den Patienten in der Regel viele Vorteile: Kleinere Schnitte verheilen schneller und da die Weichteile beim Zugang nur geringfügig verletzt werden, treten weniger Schmerzen auf. Die meisten Patienten erholen sich schnell und können rascher wieder mobilisiert werden als nach einem offenen Eingriff. Den behandelnden Chirurgen stellt das Schlüsselloch-Verfahren jedoch vor Herausforderungen: Bei erschwerten Bedingungen wie etwa Verwachsungen oder entzündlichen Prozessen kann das Operationsfeld unübersichtlich sein. Auch bei einer bedrohlichen Komplikation, wie zum Beispiel einer Blutung, müssen die Ärzte rasch reagieren können. „Die Erfahrung eines Chirurgen trägt daher wesentlich zum Erfolg einer minimalinvasiven Operation bei“, betonen Dr. Marty Zdichavsky und ihre Kollegen in der neuen Ausgabe von Lege artis. Dr. Zdichavsky ist Oberärztin an der Klinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsklinikum Tübingen und leitet dort ein spezielles Trainingszentrum für minimalinvasive Eingriffe. Hier können Ärzte die handwerklichen Fähigkeiten der Schlüsselloch-Chirurgie erlernen. „An einem Phantom mit Tierorganen operieren Mediziner realitätsnah und können dabei das Arbeiten über Sicht am Monitor trainieren“, erklärt Dr. Zdichavsky. „Das erleichtert die Orientierung und bietet eine optimale Vorbereitung auf die Situation im OP.“

Neben der Erfahrung des Arztes ist auch die richtige Lagerung des Patienten während der Operation entscheidend für den Erfolg. „Allein durch die Schwerkraft können Organe exponiert werden, ohne zusätzliche Haltevorrichtungen einbringen zu müssen“, erklärt die Chirurgin. Bei Eingriffen an Galle, Magen oder Leber sollte der Patient mit dem Oberkörper aufrecht gelagert werden. Wird im Bereich des Unterbauchs operiert, empfiehlt es sich dagegen, den Kopf tiefer zu lagern, als den Rest des Körpers.

Nicht für jeden Patienten eignet sich die Schlüsselloch-Chirurgie gleichermaßen. Der behandelnde Arzt sollte vor einem Eingriff ein besonderes Augenmerk auf die Konstitution seines Patienten legen. „Bei vorliegenden Problemen mit dem Herzen oder der Lunge kann es bei der minimalinvasiven Chirurgie zu Herzrhythmusstörungen oder Beatmungsproblemen kommen“, warnt Dr. Zdichavsky. „Auch Fettleibigkeit und vorausgegangene offene Operationen können einen Eingriff erheblich erschweren.“ Zudem warnt die Oberärztin vor falschem Ehrgeiz, der zu inneren Verletzungen führen kann: „Ist das Operationsfeld unübersichtlich und kann keine ausreichende Übersicht geschaffen werden, sollte der Chirurg unbedingt den Zugang vergrößern.

M. Zdichavsky et al.:
Minimalinvasive Chirurgie: Immer sinnvoll?
Lege artis 2011; 1 (1): S. 38-44

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