Motorische Auffälligkeiten detailliert erfassen

Stuttgart, Juni 2013 – Ergotherapeuten steht in Kürze ein neues Testverfahren für motorische Fähigkeiten bei Kindern zur Verfügung: Das international anerkannte, jedoch bislang nur in englischer Sprache verfügbare Assessment BOT-2 ist ins Deutsche übertragen worden. "Außerdem wird der Test derzeit für den deutschsprachigen Raum adaptiert und normiert", sagt Sabine Vinçon, Ergotherapeutin und Studienkoordinatorin am Kinderzentrum Maulbronn. In der Fachzeitschrift „ergopraxis“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2013) stellt Vinçon, die gemeinsam mit Kollegen die deutschsprachige Version des BOT-2 betreut, das neue Assessment vor.

Ziel des Tests ist es, motorische Störungen oder Auffälligkeiten objektiv erfassbar zu machen. Der Test enthält acht Subtests, die unterschiedliche Bereiche der Motorik abdecken: Aufgaben, die eine Beurteilung der Kraft erlauben, stehen dabei ebenso auf dem Programm wie Tests zur Handgeschicklichkeit, zur Schnelligkeit, zum Gleichgewicht oder zur Koordination. Kinder aller Altersbereiche führen dabei dieselben Aufgaben aus - wie etwa Papierfalten, Einbeinstand mit geschlossenen Augen oder Weitsprung aus dem Stand. Lediglich die Bewertung unterscheidet sich je nach Alter des Kindes oder Jugendlichen. "Mithilfe des BOT-2 lassen sich die motorischen Fähigkeiten von Kindern umfassender beurteilen als mit den bisher etablierten Tests", sagt Sabine Vinçon. Daher wird der BOT-2 auch in der aktuellen Leitlinie für Kinder mit motorischen Entwicklungsstörungen (UEMF) empfohlen.

Die Ausführlichkeit des Tests stelle jedoch zugleich eine Schwierigkeit dar, räumt Sabine Vinçon ein. Für den gesamten Test veranschlagt die Ergotherapeutin eine volle Stunde - gerade bei sehr jungen Probanden kann die Aufmerksamkeit gegen Ende des Tests daher stark nachlassen. Neben der Langfassung gibt es auch eine Kurzversion des BOT-2. Diese dauert rund 20 Minuten und umfasst einzelne Aufgaben aus allen acht Kategorien. Alternativ können auch gezielt einzelne Subtests der Langversion durchgeführt werden.

Da sie die englische Fassung des BOT-2 stellenweise als zu vage empfanden, arbeiteten Vinçon und ihre Kollegen die Anweisungen für die Testleiter der deutschsprachigen Version detaillierter aus. Damit werde die Erfassung der motorischen Fähigkeiten zusätzlich objektiviert, betont die Maulbronner Therapeutin. Darüber hinaus hat die Forschungsgruppe eine Normierung des Tests für den deutschsprachigen Raum vorgenommen: Hierfür testeten 80 Fachleute in Deutschland, Österreich und der Schweiz insgesamt mehr als 1000 gesunde Kinder und Jugendliche zwischen vier und 14 Jahren.

Erste Studien zur Verlässlichkeit der deutschen BOT-2 Version seien sehr gut ausgefallen, so Vinçon. Die Übereinstimmung der Testergebnisse bei wiederholter Testung oder beim Vergleich verschiedener Anwender sei sehr hoch. Derzeit laufen außerdem noch Studien zur Validität des Tests. Die Forschungsgruppe schließt ihre umfangreiche Arbeit in Kürze ab - die deutschsprachige Version samt begleitenden Studien soll noch in diesem Jahr veröffentlicht werden.

S. Vinçon:
Bewegung objektiv testen
ergopraxis 2013; 6 (6); S. 22-23