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    Um einen Posttransplantationsdiabetes (PTDM) vorzubeugen, sollten bei allen Patienten vor einer Nierentransplantation die Blutzuckerwerte überprüft werden. © Kuruan - Fotolia.com

     

Nierentransplantation: Vor der Operation Blutzuckerwerte prüfen

fzm, Stuttgart, Oktober 2016 – Viele Empfänger einer neuen Niere sind nach der Transplantation diabetesgefährdet. Einfluss auf die Gesundheit der Patienten haben sowohl das Spenderorgan selbst als auch die Medikamente, die sie zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen lebenslang einnehmen müssen. Doch auch schon vor der Transplantation haben viele Patienten ein erhöhtes Diabetesrisiko, ohne es zu wissen. Das belegt eine Studie in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2016).

Mediziner bezeichnen einen Diabetes, der erstmals nach einer Organverpflanzung auftritt, als Posttransplantationsdiabetes mellitus (PTDM). Die Erkrankung ist eine gefürchtete Komplikation. Sie gefährdet nicht nur die Funktion der neuen Niere, sondern erhöht auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, berichtet Dr. Isabell Jahn von der Henneberg Klinik Hildburghausen/Thüringen.

Vorbeugung und frühzeitige Behandlung des PTDM sind deshalb wichtig. Die meisten Transplantationszentren untersuchen nach der Organverpflanzung deshalb regelmäßig den Blutzuckerstoffwechsel der Patienten. Am Universitätsklinikum Jena haben Mediziner mit den Tests im Rahmen der Studie bereits vor der Transplantation begonnen. Dabei zeigte sich, dass die Patienten mit späterem PTDM oder einer Vorstufe häufig schon vor der Transplantation unter einer sogenannten Insulinresistenz leiden. In diesen Fällen sprechen die Körperzellen weniger auf das Hormon Insulin an und nehmen nur noch vermindert Zucker aus dem Blut auf. Betroffen waren vor allem ältere, männliche Patienten, die deutlich übergewichtig oder fettleibig waren. Die genauere Untersuchung ergab, dass Beta-Zellen, die in der Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin bilden, beim Auftreten eines PTDM noch nicht beschädigt waren.

Für Dr. Jahn ist dies eine wichtige Erkenntnis, denn so könnte eine Vorbeugung des PTDM möglich sein. Bislang führten Mediziner die Störung des Blutzuckerstoffwechsels auf die verabreichten Medikamente zurück. Zudem fokussierten sie im Rahmen der Ursachenforschung das Spenderorgan, weil auffiel, dass PTDM deutlich seltener bei Lebendspenden auftritt.

Die Tatsache, dass bereits vor der Operation eine Störung des Blutzuckerstoffwechsels auffällt, bietet den Ärzten die Möglichkeit, frühzeitig gegenzusteuern: Dr. Jahn rät dazu, bei allen Patienten vor einer Nierentransplantation den Blutzucker zu untersuchen. Üblich ist die Bestimmung des Langzeitwerts HbA1c. Bei einem erhöhten Wert sollten die Patienten dann nach der Transplantation regelmäßig kontrolliert werden, um einen Diabetes rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, so Dr. Jahn.

Jahn et al.:
Posttransplantationsdiabetes mellitus bei Patienten nach Nierentransplantation. Inzidenz und Risikofaktoren
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2016; 141 (19); e173–e182