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    Der Herausgeber der Fachzeitschrift Osteologie, Prof. Dr. med. Peter Burckhardt (links), und Redaktionsleiter Dr. Peter Henning (rechts) zeichnen Dr. med. Friederike Thomasius aus. © OSTAK

     

Aktuelle DVO Leitlinie erhält Thieme Osteologie Preis

Stuttgart, Mai 2019 – Mit dem Durchschnittsalter der Menschen in Deutschland steigt auch die Häufigkeit für Knochenbrüche infolge einer Osteoporose. Nach Angaben der International Osteoporosis Foundation (IOF) waren allein 2017 rund 765 000 Frakturen hierzulande auf eine abnehmende Knochenstabilität zurückführen. Klare Empfehlungen zur Prävention, Diagnose und Behandlung in der Praxis bietet die Leitlinie des Dachverbandes Osteologie e.V. (DVO). Sie ist 2018 in der Fachzeitschrift „Osteologie“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart) erschienen und wurde von einer unabhängigen Jury zum besten Beitrag des vergangenen Jahres gewählt. Im Rahmen des Fachkongresses OSTEOLOGIE 2019 haben die Autoren deshalb den Thieme Osteologie Preis erhalten. Stellvertretend für alle an der Leitlinie beteiligten Experten hat die Frankfurter Osteologin Dr. med. Friederike Thomasius die Auszeichnung entgegengenommen. Eine Zusammenfassung der diesjährigen Jahrestagung des DVO ist in der aktuell erschienenen Ausgabe der „Osteologie“ zu lesen.

Unter dem Motto „Healthy Aging – Bone and Joint” standen auf dem Jahreskongress Ende März 2019 in Frankfurt die Veränderungen des Bewegungsapparates in verschiedenen Lebensphasen im Fokus. Die Auszeichnung der 2018 in der Fachzeitschrift „Osteologie“ veröffentlichten DVO Leitlinie trug damit sowohl der zunehmenden gesellschaftlichen Relevanz der Knochenerkrankung als auch dem Tagungsschwerpunkt Rechnung. „Die Leitlinie zielt auf eine Verbesserung der Diagnose, Prävention und Behandlung der Osteoporose ab“, erklären die Autoren. Dabei widmen sie sich insbesondere postmenopausalen Frauen und männlichen Patienten. Erstere erleben aufgrund eines sinkenden Östrogenspiegels teils einen verstärkten Knochenabbau, dies ausgelöst durch die Veränderung des Hormonhaushaltes. Mit zunehmendem Alter kann aber auch beim Mann eine fast unbemerkt verminderte Produktion des Sexualhormons Testosteron Knochenabbau verursachen und beschleunigen. Etwa 20 Prozent aller Osteoporosefälle betreffen das männliche Geschlecht.

Geschlecht und Alter sind demnach wichtige Informationen für Ärzte, um das Risiko für eine Osteoporose abschätzen zu können. Darüber hinaus geben die Knochenmineraldichte und bereits vorbestehende Frakturen der Patienten Hinweise auf eine mögliche Erkrankung. In einer ausführlichen Anamnese sollten Mediziner erfragen, ob beispielsweise Hüftfrakturen in der Familie bekannt sind oder Begleiterkrankungen wie Rheuma oder Asthma vorliegen. Denn infolge einer langjährigen Kortisonbehandlung kann die Knochendichte abnehmen. „Beim Fehlen eines großen Traumas kann jede Fraktur bei Erwachsenen über 50 Jahren die Diagnose einer Osteoporose nahelegen“, betonen die Experten und raten in jedem Fall zu einer Messung der Knochendichte. Mit einer speziellen Röntgentechnik, der DXA-Methode, wird die Knochenmasse des Oberschenkelhalses und der Lendenwirbelkörper untersucht – zwei Knochenregionen, an denen eine Osteoporose besonders oft und deutlich nachweisbar ist.

Die Ergebnisse der Anamnese und diagnostischen Maßnahmen geben schließlich den Fahrplan für die weitere Behandlung vor. Neben Medikamenten, die einen weiteren Knochenabbau verhindern oder den Knochenaufbau fördern, sind Bewegung, Physiotherapie, Sturzprävention und eine knochenfreundliche Ernährung wichtige Pfeiler der Therapie.

„Die aktuelle Leitlinie hilft Medizinern im ambulanten und klinischen Bereich Osteoporoserisikopatienten frühzeitig zu erkennen und sie entsprechend zu behandeln. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung werden immer mehr Ärzte mit der Erkrankung konfrontiert. Der ausgezeichnete Beitrag trägt dazu bei, die Behandlungs- und Lebensqualität einer wachsenden Patientengruppe entscheidend zu verbessern“, begründet die Jury ihre Entscheidung. Das knapp dreißigköpfige Gremium aus Herausgebern sowie Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats der „Osteologie“ hatte in diesem Jahr über insgesamt 18 Beiträge zu befinden.

Der Thieme Preis Osteologie (ehemals Schattauer Preis Osteologie) wird für den besten Beitrag des Vorjahres in der Fachzeitschrift „Osteologie“ vergeben. Ziel der mit 1000 Euro dotierten Auszeichnung ist es, die wissenschaftliche Forschung und den osteologischen Austausch zu würdigen und zu fördern. Als Organ des Dachverbandes Osteologie (DVO), der Deutschen Gesellschaft für Osteologie (DGO) und der Orthopädischen Gesellschaft für Osteologie (OGO) ist die „Osteologie“ eine wichtige medizinische Plattform für den Fachbereich Osteologie. Seit Kurzem sind die Inhalte der Fachzeitschrift auch in der Thieme eRef abrufbar. Die Wissensplattform bietet digitalen Zugriff auf die Inhalte der medizinischen Fachbücher und -zeitschriften, eine umfangreiche Bilddatenbank, Leitlinien, Patientenaufklärungsbögen und Videos der Thieme Verlagsgruppe. Weiterführende Services ergänzen das Angebot.

F. Thomasius et al.:
DVO Leitlinie 2017 zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und Männern
Osteologie 2018; 27 (3); S. 154–160