Osteoporose: Vibrationstraining hilft Stürze zu vermeiden

Stuttgart, Juli 2009 – Regelmäßiges Krafttraining kann den Knochenabbau im Alter verhindern. Unterstützt wird die Wirkung, wenn die Übungen auf einer vibrierenden Plattform durchgeführt werden. Ein Ganzkörpervibrationstraining hat in einer Studie in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) bei älteren Frauen die Zahl der Stürze vermindert, die häufig mit Knochenbrüchen einhergehen.

Auf Einladung der Universität Erlangen-Nürnberg absolvierte eine Gruppe von Seniorinnen ein Jahr lang zweimal wöchentlich ein 60-minütiges Trainingsprogramm. Neben Aerobics und Gleichgewichtsübungen gehörte auch ein Zirkeltraining der Beine zum Programm. Einige Damen führten diese Kraftübungen auf einer vibrierenden Plattform durch, die sich 25 bis 35 Mal pro Minute auf- und abbewegte. Die Schwingungen werden über die Beine in den ganzen Körper weitergeleitet, was den Trainingserfolg verbessern soll. Jedenfalls behaupten dies die Hersteller der Geräte, die immer häufiger in Fitness-Studios aufgestellt werden.

Dr. Simon von Stengel vom Institut für Medizinische Physik der Universität Erlangen/Nürnberg und Mitarbeiter waren aber weniger um die Figur und die körperliche Fitness der Seniorinnen besorgt. Sie betrachten das Multifunktionstraining mit oder ohne Ganzkörpervibration als eine Möglichkeit, den beschleunigten Knochenabbau im Alter, die Osteoporose, zu hemmen. Um dies wissenschaftlich belegen zu können, führten sie vor Beginn der Studie und nach einem Jahr eine Knochendichtemessung durch. Die Ergebnisse geben den Forschern Recht: Das regelmäßige Training steigerte die Knochenmasse, während der Verfall in einer Kontrollgruppe fortschritt. Dort waren die Teilnehmerinnen durch ein Wellnessprogramm mit sanften Gymnastik- und Entspannungsübungen verwöhnt worden, offenbar kein probates Mittel gegen den Knochenabbau im Alter.

Das Multifunktionstraining war auch ohne Ganzkörpervibration wirksam. Die vibrierende Plattform konnte die Knochenmasse nicht weiter steigern. Sie könnte dennoch einen Zusatznutzen haben: Die Senioren, bei denen die Forscher die Plattform angeschaltet hatten, berichteten zu zwei Drittel seltener über Stürze im Alltag. Wie die Ganzkörpervibration Stürze vermeiden hilft, ist laut Dr. von Stengel nicht bekannt. Möglicherweise würde das Training nicht nur die Muskeln stärken, sondern auch die Reflexe beschleunigen, die oft einen Sturz in letzter Sekunde verhindern.

Nach Angaben von Dr. von Stengel hatten frühere Studien ergeben, dass die Vibrationen sich günstig auf die Knochenmasse auswirken. Warum dies in der aktuellen Studie nicht gezeigt werden konnte, sei unklar. Die Möglichkeiten der Ganzkörpervibration seien erst im Ansatz untersucht, berichtet Dr. von Stengel: Die Datenlage ist schlecht. Weitere Studien zu den Auswirkungen des Vibrationstrainings auf die Gesundheit wären wünschenswert.

S. v. Stengel:
Effekte eines Ganzkörpervibrationstrainings auf Parameter des Frakturrisikos.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (30): S. 1511-1516

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