• Schild: Organspende rettet Leben! © contrastwerkstatt/ adobe.stock.com

    Pro Jahr erleiden in Deutschland 75.000 Menschen einen außerklinischen Herzstillstand. Viele von ihnen kämen als Organspender infrage. © contrastwerkstatt/ adobe.stock.com

     

Herzstillstand außerhalb der Klinik (OHCA): Viele Betroffene sind potenzielle Organspender

fzm, Stuttgart, Dezember 2017 – Viele Menschen, die außerhalb einer Klinik einen plötzlichen Herzstillstand (OHCA) erleiden, könnten als Organspender infrage kommen und damit die Wartezeit für Transplantationen verkürzen. Eine Studie in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2017) zeigt, wann eine Organentnahme möglich wäre und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssten.

In Deutschland erleiden jedes Jahr etwa 75.000 Menschen außerhalb der Klinik einen plötzlichen Herzstillstand (out-of-hospital cardiac-arrest OHCA). Viele versterben noch vor Ort. Andere erreichen nach einer erfolgreichen Wiederbelebung die Klinik. Dort sterben jedoch zwei von drei an den Komplikationen des zwischenzeitlichen Herzstillstands. Viele dieser Patienten kämen als Organspender in Betracht, schreibt der Leitende Oberarzt Dr. Martin Christ vom Marien Hospital Herne, Ruhr-Universität Bochum. Doch die wenigsten Kliniken seien auf diese Möglichkeit vorbereitet.

So erlitten viele der Betroffenen innerhalb der Klinik einen zweiten Herzstillstand. Die Ärzte müssen sich dann auf Wiederbelebungsversuche konzentrieren. In dieser Situation gilt jeder Gedanke, dass die Organe im Fall eines Todes weiter genutzt werden könnten, als zutiefst unethisch. Darauf weisen auch die Autoren der Leitlinie des European Resuscitation Council (ERC) hin, erklärt Dr. Christ.

Bei anderen Patienten wird der Tod jedoch nicht durch einen weiteren plötzlichen Herzstillstand ausgelöst. Diese Patienten sterben vielmehr, nachdem sie über mehrere Tage im Krankenhaus behandelt wurden, an einem Hirntod. Diese kämen nach Ansicht von Dr. Christ für eine Organspende infrage.

Am Marien Hospital Herne wurden zwischen 2008 und 2017 385 Patienten nach außerklinischer Reanimation eingeliefert. Davon spendeten fünf insgesamt 14 Organe, berichtet der Mediziner. Bei den Patienten war in der Computertomographie eine Hirnschwellung beobachtet worden. Bei zwei Patienten wiesen Ärzte anhand fehlender Reflexe den Hirntod nach. Bei den anderen drei Patienten hatte eine Hirnszintigraphie gezeigt, dass das Gehirn nicht mehr aktiv durchblutet wurde. Bei einer Hirnszintigraphie wird eine schwach radioaktive Substanz (Tracer) in eine Armvene gespritzt. Danach zeigt eine Gamma-Kamera, ob der Tracer im Großhirn ankommt. Wenn nicht, liegt ein Hirntod vor.

Die fünf Patienten waren nicht die einzigen, die nach einer Wiederbelebung ins Marien Hospital Herne eingeliefert wurden und dort dann gestorben waren. Dr. Christ hat insgesamt 133 Fälle untersucht. 90 dieser 133 Patienten wären für eine weitergehende Hirntoddiagnostik und als eventuelle Organspender infrage gekommen. Die Klinik hat deshalb inzwischen feste Regeln für die Hirntoddiagnostik bei Patienten aufgestellt, die nach einer Reanimation zunächst lebend die Klinik erreicht hatten.

Eine solche „Standard Operating Procedure“ sieht vor, dass nach dem Feststellen von Koma, fehlenden Hirnstammreflexen und Atemstillstand nach einer Wartezeit von mindestens zwölf Stunden der Hirntod durch EEG oder Hirnszintisgraphie bestätigt wird.

Würde auch nur ein Teil der 75.000 Menschen, die pro Jahr in Deutschland einen außerklinischen Herzstillstand erleiden, ihre Organe spenden, könnte dies die Wartezeit für Transplantationen deutlich verkürzen, schreibt Dr. Christ. In Deutschland wurden im letzten Jahr 2.867 Organe von 857 Organspendern entnommen. Zum Stichtag 31. Dezember 2016 standen 10.128 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Überträgt man das Verhältnis von Spendern und den eingelieferten Patienten in Herne auf Deutschland, käme man auf 300 Hirntodfeststellungen und 250 Organspenden pro Jahr, schreibt Dr. Christ.

M. Christ et al.:
Organspende bei Patienten nach nicht traumatischem außerklinischem Herzstillstand
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2017; eFirst 28.11.2017

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