Elektronische Patientenkarte: Ziehen sich demnächst die Hersteller zurück?

Stuttgart, April 2010 – Der elektronischen Gesundheitskarte droht ein weiterer Rückschlag. Nachdem sich die Firma Siemens im vergangenen Jahr zurückgezogen hat, überdenken weitere Unternehmen, die Komponenten für die Gesundheitskarte entwickeln, ihr Engagement, wie die Fachzeitschrift „kma - Das Gesundheitswirtschaftsmagazin“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010) aus sicheren Quellen erfahren hat.

„Wenn die Karte Ende 2010 nicht deutlich sichtbar ausgerollt ist, und damit meine ich, dass mindestens fünf Millionen Karten im Feld sind, dann werden mehrere Hersteller abspringen“, erklärte ein Insider vor der anstehenden Gesellschafterversammlung der Gesellschaft für Telematik-Anwendungen der Gesundheitskarte, kurz Gematik.

Die Gematik war im Januar 2005 gegründet worden, um die elektronische Gesundheitskarte einzuführen. Gesellschafter sind die Spitzenorganisationen im deutschen Gesundheitswesen. Dies sind auf der einen Seite die Leistungserbringer (Ärzte, Apotheker, Krankenhäuser) und auf der anderen Seite die Kostenträger (gesetzliche Krankenkassen, private Krankenversicherungen). Bislang war es der Gematik nicht gelungen, beide Seiten auf ein Konzept einzuschwören.

Zuletzt hatte die schwarz-gelbe Bundesregierung das Organisationsmodell der Gematik in ihrem Koalitionsvertrag infrage gestellt. Vorgesehen ist jetzt eine Neuorganisation, bei der die Zuständigkeiten der Gematik zum Teil zurück zu den Gesellschaftern gehen sollen: Die Ärzte sollen künftig federführend für die Projekte Arztbrief und Notfalldaten sein, während die gesetzlichen Krankenkassen für den Stammdatenabgleich zuständig wären.

Dies ist von der Industrie im Prinzip begrüßt worden, da sich die Gematik zuletzt als nahezu beschlussunfähig erwiesen habe. Sollten tatsächlich weitere Firmen abspringen, könnte dies der Todesstoß für die Elektronische Patientenkarte und für den Einstieg in eine moderne Patientendatenverwaltung sein.

J. Mau:
Die elektronische Gesundheitskarte: Willkommen in der Vergangenheit.
kma - Das Gesundheitswirtschaftsmagazin 2010; 15 (4):
S. 44-49

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