Penicillin-Allergie durch homöopathisches Mittel

Stuttgart, Juli 2010 – Trotz der hohen Verdünnung ihrer Wirkstoffe können homöopathische Mittel unter Umständen allergische Reaktionen auslösen. Darauf machen Experten in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010) aufmerksam.

Eine 70-jährige Frau mit bekannter Penicillinallergie hatte über sechs Monate das homöopathische Mittel Notakehl D4 eingenommen. Jede Kapsel enthält nach Angaben des Herstellers 300mg Penicillium chrysogenum, wenn auch in 10.000-facher Verdünnung. Ob die Pilzsporen in dem homöopathischen Mittel Penicillin bilden können, sei bisher nicht untersucht worden, berichtet Dr. Gonca Türkoglu-Raach vom Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Bei der älteren Patientin kam es zu einer speziellen Entzündung der Nieren, die Mediziner als akute interstitielle Nephritis (AIN) bezeichnen. Laut Dr. Türkoglu-Raach werden drei Viertel aller AIN durch Medikamente ausgelöst, darunter auch durch Penicillin. Auch wenn letztlich nicht bewiesen ist, dass Notakehl D4 für die Nierenschäden der älteren Frau verantwortlich ist, rät die Expertin den Ärzten doch, bei der Suche nach Ursachen auch an vermeintlich nebenwirkungsfreie Mittel zu denken.

G. Türkoglu-Raach et al:
Ein weiterer "Verdächtiger": Homöopathikum mit akuter interstitieller Nephritis assoziiert.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2010; 135 (24): S. 1224-1227

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