Pflegelehrmittel – Wie lässt sich Begeisterung für den Pflegeberuf vermitteln?

Dr. Bettina Hansen, Verlagsbereichsleiterin medizinische Ausbildung im Georg Thieme Verlag Stuttgart.

Pflege ist ein hochprofessioneller Beruf, für den wir zunehmend qualifizierte Fachkräfte ausbilden müssen, die Hand in Hand mit Ärzten und anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen die Versorgung kranker und pflegebedürftiger Menschen gewährleisten.

Wir haben uns die Frage gestellt, wie wir zur weiteren Professionalisierung beitragen und die Position des Berufsstandes im eigenen Selbstverständnis wie auch gegenüber Politik und Gesellschaft stärken können.

Wir möchten angehende Pflegekräfte bestmöglich dabei unterstützen, sich auf ihren anspruchsvollen und vielseitigen Beruf vorzubereiten. Wer gut und umfassend auf eine Tätigkeit vorbereitet ist, erlangt Sicherheit. Und nur wer sicher ist, in dem was er tut, wird den Pflegeberuf auf lange Sicht mit Freude und Engagement und zum Wohle der Patienten ausüben.

Wichtig ist dabei jedoch nicht nur die didaktisch sinnvolle Vermittlung fachlicher Kompetenzen, sondern auch, jungen Menschen und Quereinsteigern eine ebenso professionelle wie gesunde Haltung zu ihrem Beruf zu vermitteln. Denn erfolgreich und zufrieden arbeitet nur, wer sich mit Überzeugung den Patienten widmet, die Sorgen der Angehörigen ernst nimmt, auch die Bedürfnisse und Ansprüche der Kollegen im Blick hat – und gleichzeitig auf sich selbst achtgibt.

In einer ausführlichen Markforschung haben wir uns ein Bild über die Situation in der Pflegeausbildung gemacht. Wir haben Pflegeschulen besucht – in Nord- und Süd, West- und Ostdeutschland, in Großstädten und in ländlichen Regionen – und haben mit Einrichtungsleitern, Lehrern und vor allen Dingen Schülern gesprochen. Dabei wurde schnell deutlich, dass es große Unterschiede bei der Ausstattung an den Schulen, den pädagogischen Ansätzen und Lehrplänen, der Ausbildung der Lehrkräfte und vor allen Dingen bei den Schülern selbst gibt. Unser Anliegen war es, ein Angebot zu entwickeln, das all diesen Facetten gerecht wird und mit dem Schüler wie Lehrer gleichermaßen gut und mit Freude arbeiten.

Ein neues Lehrwerk für die Pflegeausbildung war auch aus didaktischer Sicht überfällig. Aufbau und Gestaltung älterer Lehrmittel entsprechen nicht mehr den heutigen Lese- und Lerngewohnheiten junger Menschen, die stark visuell geprägt sind. Grafiken als integraler Bestandteil des didaktischen Konzepts, eine Struktur, die den Einstieg an jeder beliebigen Stelle des Werkes erlaubt und die Ergänzung um ein mobiles Angebot entspricht dem Rezeptionsverhalten der Auszubildenden wesentlich besser, als sporadisch bebilderte Textwüsten. Dabei ist das Buch für Pflegeschüler derzeit noch das Medium der Wahl. Denn der Alltag an Pflegeschulen ist noch weitgehend analog. Mit der App erfüllen wir aber auch den Wunsch der Schüler nach mobil verfügbarem Wissen. Pflegepädagogen profitieren von dem Unterrichtsmaterial, das wir auf unserem Lehrerportal kostenlos zur Verfügung stellen und das optimal auf Inhalt und Struktur der Lehrbücher abgestimmt ist.

Die drei „I care“-Bände „Anatomie, Physiologie“, „Krankheitslehre“ und „Pflege“ orientieren sich an der derzeitigen Pflegeausbildung. Sie wurden aber bereits mit Blick auf die generalistische Ausbildung umgesetzt. Das heißt, sie vermitteln das Grundwissen für Gesundheits-, Kranken- und Kinderkrankenpflege wie auch für Altenpflege. Durch den modularen Aufbau können Pflegeschüler das Werk auch im Rahmen der geplanten generalistischen Ausbildung, die voraussichtlich zum 1. Januar 2018 in Kraft treten soll, nutzen.


Es gilt das gesprochene Wort!
Nachdruck honorarfrei.
Beleg erbeten!

Berlin, Januar 2016