Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung malen ihr Erleben

Stuttgart, November 2011 – Unter dem Motto „Jeder Mensch ein Künstler“ (Joseph Beuys) hatte die Fachzeitschrift „Psychiatrische Praxis“ aus dem Georg Thieme Verlag zu einem Titelbild-Wettbewerb aufgerufen. Seit Anfang 2011 werden die Cover des achtmal im Jahr erscheinenden Heftes mit eingereichten Bildern gestaltet. Die 40 Gewinnerbilder werden vom 23. bis zum 26. November 2011 auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin ausgestellt.

Anfang 2010 hatte Thieme Menschen, die Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen, Krisen oder Grenzerfahrungen gemacht haben, zur Teilnahme am Titelbild-Wettbewerb eingeladen. 67 verschiedene Künstler – darunter persönlich Betroffene, Angehörige, Therapeuten und Wissenschaftler – haben insgesamt 330 Kunstwerke eingereicht. Die Bandbreite der Werke reicht von Kohle- und Bleistiftzeichnungen über Aquarelle, bis hin zu Collagen und Fotomontagen. Eine Jury aus Psychiatern, Betroffenen, Kunst-Experten und Mitarbeitern des Georg Thieme Verlags hat aus allen Einsendungen die 40 ausdrucksstärksten Bilder ausgewählt. Diese schmücken seit der Ausgabe 1/2011 die Titelseiten der Zeitschrift „Psychiatrische Praxis“. Über die Hintergründe der Künstler und die Entstehungsgeschichte der Bilder informieren zum Teil sehr persönliche Texte der Künstler.

„Mit so einer überwältigenden Resonanz haben wir nicht gerechnet“, so die Herausgeberin Professor Steffi Riedel-Heller. „Eigentlich wollten wir nur die Titelbilder 2011 mit den Kunstwerken gestalten. Aber aufgrund der großen Beteiligung und der Vielfalt der eingereichten Bilder haben wir uns entschlossen, bis Ende 2015 insgesamt 40 Kunstwerke als Titelbild zu veröffentlichen.“

„Der Gedanke, Kreativität und Kunst hingen mit menschlichen Grenzerfahrungen zusammen, ist nicht ungewöhnlich“, erklärt Professor Dr. med. Thomas Becker, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm und Mitherausgeber der „Psychiatrischen Praxis“, die Hintergründe des Wettbewerbs. „Es gibt Hinweise, dass Erfahrungen im Rahmen psychischer Erkrankungen mit dem Thema Kreativität im Zusammenhang stehen. Und tatsächlich ist die Liste der Kunstschaffenden in Literatur, Musik und bildender Kunst, bei denen psychische Erkrankungen diskutiert oder berichtet wurden

Auf dem DGPPN Kongress in Berlin werden vom 23. bis zum 26. November 2011 die 40 Werke, die zur Gestaltung der Titelseiten der „Psychiatrischen Praxis“ ausgewählt wurden, ausgestellt.

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