Quallen: Hautreizungen und lebensgefährliche Vergiftungen

Stuttgart, Juni 2010 – Infolge der Klimaerwärmung und der Überfischung der Meere breiten sich Quallen immer weiter aus. An den heimischen Küsten hat die Berührung mit ihnen meist nur unangenehme Hautreizungen zur Folge. Hausmittel bringen rasche Linderung. In den Tropen sind Quallen dagegen eine tödliche Gefahr, warnt eine Expertin in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010). Rasche medizinische Hilfe kann lebensrettend sein.

Die Würfelqualle, auch Seewespe genannt, gehört zu den giftigsten Tieren der Welt, berichtet Dr. Margaritha Litschauer-Poursadrollah vom Floridsdorfer Allergiezentrum in Wien. Badende können ihr im Norden und Osten Australiens, in Thailand, auf den Philippinen und in der Karibik begegnen. Bei Berührung explodieren die Nesselkapseln der Quallen und setzen ihr Gift aus kleinen Fäden frei, die mit Widerhaken versehen sind. Auf der Haut hinterlässt dies ein charakteristisches Strickleitermuster. Doch das Gift dringt auch in den Körper ein. Es kann zu Lähmungen und Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand kommen.

Jedes Jahr gebe es weltweit viele Todesfälle, warnt die Expertin. In den betroffenen Gewässern sollte man deshalb nur in Taucheranzügen aus Neopren baden. Eine andere lebensgefährliche Qualle ist Irukandji, die im Norden Australiens, vorwiegend in tieferen Gewässern und in Riffnähe vorkommt und das Irukandji-Syndrom auslöst: Bei manchen Patienten kommt es nur zur Taubheit von Fingern und Zehen oder zu Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen. Bei anderen versagen Herz und Lunge. Auch die Portugiesische Galeere kommt in tropischen und subtropischen Gewässern vor – bei starkem Wind auch in Küstennähe. Auch sie kann laut Dr. Litschauer-Poursadrollah einen schweren Kreislaufschock auslösen bis hin zum Atem- und Herzstillstand.

Als vorbeugendes Mittel wird “Safe Sea” angeboten, das auf die Haut aufgetragen wird. Die Lotion enthält einen Abwehrstoff, der auch in der Haut von Clownfischen vorkommt und verhindert, dass die Nesselkapseln der Quallen nach der Berührung mit der Haut “explodieren”. Die Wirkung von “Safe Sea” sei gut belegt, berichtet die Expertin. Bei Quallen von hohem Gefährlichkeitsgrad sei das Mittel jedoch bisher nicht untersucht worden. Für Würfelquallen gebe es als Gegengift das „Box jellyfish antivenom”.

Badende in Mittelmeer, Adria, Nord- und Ostsee leben weniger gefährlich. Die Begegnung mit Lungen-, Spiegelei-, Ohren-, Rippen- oder Kompassqualle hinterlässt nur ein unangenehmes, schmerzhaftes Brennen auf der Haut. Vor Leucht- und Feuerquallen sollte man sich dagegen in Acht nehmen, rät die Expertin. Diese treten weltweit auf, so auch in der Ostsee, wo sie bedingt durch Meeresströmungen und durch die Erwärmung der Meere in vermehrtem Maße anzutreffen sind. Dr. Litschauer-Poursadrollah: Die Berührung kann zu stark stechendem Schmerz, Quaddelbildung, Übelkeit, Erbrechen und eventuell Bewusstlosigkeit führen.

Wer mit Salzwasserquallen in Berührung geraten ist, sollte keineswegs versuchen diese abzuduschen, rät die Expertin: Der Kontakt mit dem Süßwasser fördere das Platzen der Nesselkapseln und die Freisetzung des Giftes. Dr. Litschauer-Poursadrollah rät – außer bei der Portugiesischen Galeere – zu Essig. Wirksam ist der Medizinerin zufolge auch das Einreiben mit Sand. Rasierschaum sei ebenfalls ein hilfreiches Mittel, um deaktivierte Nesselkapseln abzuschaben. Gegen den Schmerz helfen Kühlkompressen.

M. Litschauer-Poursadrollah et al.:
Quallen und Gifttiere als Gefahr beim Baden.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2010; 135 (21): S. 1073-1077

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