Endlich Nichtraucher mithilfe des Hausarztes

fzm, Stuttgart, Februar 2014 – Ärzte können Menschen, die das Rauchen aufgeben wollen, effektiv unterstützen. In einer Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2014) veröffentlicht wurde, schaffte es fast jeder zweite Patient, auf Zigaretten zu verzichten. Geholfen hat ihnen eine Nikotinersatztherapie und eine strukturierte ärztliche Beratung.

Die Mehrheit der Raucher ist nach Einschätzung von Dr. Andreas Jähne vom Universitätsklinikum Freiburg tabakabhängig. Sie schaffen es aus eigenem Antrieb in der Regel nicht, dauerhaft auf Zigaretten zu verzichten, obwohl jeder fünfte es mindestens einmal im Jahr versucht. Hausärzte sind nach Ansicht des Experten gute Ansprechpartner für Menschen, die das Rauchen aufgeben möchten. Denn die meisten Raucher haben einen Hausarzt, und 80 Prozent suchen ihn mindestens einmal im Jahr auf.

Jähne sieht darin eine gute Gelegenheit, das Thema Rauchen anzusprechen. Schließlich sei die Kombination aus ärztlicher Beratung und medikamentöser Unterstützung die derzeit effektivste Methode in der Tabakentwöhnung. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus: Nur wenige Hausärzte bieten derzeit ihre Unterstützung zum Rauchausstieg an. Dr. Jähne führt dies darauf zurück, dass den Ärzten pro Patient nur wenig Behandlungszeit zur Verfügung stehe. Viele fürchteten eine langwierige Beratung, die sich letztlich für sie wirtschaftlich nicht lohne.

Deshalb hat Dr. Jähne jetzt ein neues, speziell auf die ärztliche Beratung zugeschnittenes Tabakentwöhnungsprogramm getestet. Das von Johnson & Johnson, einem Hersteller von Nikotinersatzpäparaten, gesponserte Projekt ist laut Dr. Jähne die erste Raucherentwöhnung, die sich speziell an den Bedürfnissen der Hausärzte orientiert. Sie gibt den Ärzten einen Gesprächsleitfaden an die Hand, mit dem sie aufhörbereite Raucher erkennen und wirkungsvoll unterstützen können. Das Tabakentwöhnungsprogramm ist für Ärzte verschiedener Fachrichtungen kostenfrei zugänglich. Es schlägt bis zu fünf kurze Beratungstermine vor, kombiniert mit einer Therapie über zwölf Wochen. Die Ärzte können heute verschiedene Medikamente anbieten. Am häufigsten eingesetzt werden Nikotinersatzpräparate.

Dr. Jähne hat untersucht, ob die Ärzte das Programm erfolgreich in ihren Praxisalltag integrieren können. Insgesamt 44 Mediziner und 184 Patienten nahmen an der Studie teil. Die meisten Patienten waren langjährige Raucher, ein Drittel benötigte mehr als 20 Zigaretten am Tag. Zwei Drittel hatten Begleiterkrankungen, die häufig auf das Rauchen zurückzuführen waren. Die Patienten waren – nach im Durchschnitt drei früheren vergeblichen Versuchen – hoch motiviert. Mehr als 80 Prozent verwendeten die nikotinhaltigen Pflaster, Kaugummis, Inhaler oder Microtabs über die vorgesehene Zeit. Nach Abschluss der Therapie, etwa zwölf Wochen nach Rauchstopptag, waren 89 von 184 Patienten oder gut 48 Prozent kontinuierlich rauchfrei, berichtet Dr. Jähne. Die Mehrheit der Studienpatienten und der Ärzte bewertete das Tabakentwöhnungsprogramm als hilfreich.

Die hohe Abstinenzquote - sie übertrifft die Ergebnisse anderer Studien – führt Dr. Jähne auf die kontinuierliche Einzelbetreuung durch den Hausarzt zurück. Die verordneten Nikotinersatzpräparate waren gut verträglich und die Patienten hoch motiviert, schreibt der Experte, der sich für eine flächendeckende Umsetzung der Tabakentwöhnung beim Hausarzt ausspricht. Die Tabakentwöhnung beim Hausarzt scheitere heute daran, dass die Ärzte nicht ausreichend für ihre Bemühungen honoriert würden und die Patienten die Kosten für die Nikotinersatztherapie selbst tragen müssen. So mussten die Teilnehmer der Studie für die Medikamente insgesamt 260 Euro aufwenden. Der Autor weist zudem darauf hin, dass die Ergebnisse dieser Studie noch unter strengeren methodischen Bedingungen und mit größeren Fallzahlen überprüft werden sollten.

A. Jähne et al.:
Evaluierung eines strukturierten Tabakentwöhnungsprogramms für die ärztliche Praxis
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2014; 139 (4); S.127–133