Rauschtrinken: Immer mehr Jugendliche suchtgefährdet

fzm – Immer häufiger werden Teenager mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert. Bei vielen ist es kein einmaliger "Ausrutscher", sondern Zeichen einer Suchtgefährdung, wie eine Studie in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) zeigt.

Am städtischen Krankenhaus Schwabing, im Einzugsgebiet des Münchner "Szeneviertels" gelegen, wurden innerhalb von nur acht Monaten 128 Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung behandelt, der Jüngste war gerade einmal 13 Jahre alt. Der durchschnittliche Blutalkoholspiegel betrug 1,9 Promille, ein Jugendlicher hatte mehr als 3 Promille. Die Gruppe um Stefanie Müller vom Institut für Therapieforschung in München hat die Jugendlichen befragt: Für jeden siebten war es nicht der erste Klinikaufenthalt wegen einer Alkoholvergiftung, jeder sechste war sich nicht im Klaren, dass er oder sie - fast die Hälfte waren Mädchen - sich in einer lebensgefährlichen Lage befand und fast jeder vierte hatte innerhalb der letzten zwölf Monate illegale Drogen konsumiert. Diese drei Faktoren -Wiederholung, Wissensdefizite und illegale Drogen - zeigen nach Ansicht der an der Studie beteiligten Initiative "Münchner Ärzte gegen Jugendalkoholismus" ein hohes Abhängigkeitsrisiko an.

Die Gruppe erprobt derzeit in einem Projekt, wie den Jugendlichen geholfen werden kann. Direkt im Anschluss an die notfallärztliche Behandlung führen jugend- und suchttherapeutische Experten von der Beratungsstelle Condrops e.V. ein 45-minütiges Gespräch mit den Teenagern durch. Potenziell gefährdete Jugendliche werden dann zu einem eineinhalbtägigen Gruppentreffen mit "pädagogischem Erlebnischarakter" eingeladen. Zum Plan gehört auch ein Gespräch mit den Eltern sowie ein integriertes Abschlussgespräch. Ob dieses niederschwellige Angebot die Kinder vor dem weiteren Rauschtrinken bewahrt, soll in einer Studie untersucht werden.

Fest steht, dass das Rauschtrinken die Gesundheit gefährdet. Blutalkoholspiegel von 2 Promille oder mehr lösen nach Einschätzung der Ärzte bei Jugendlichen mittel- bis schwergradige Rauschzustände aus. Es kommt zu Gleichgewichtsstörungen, Enthemmung und Aggressivität. Zusätzlich zur Schockgefahr sind die Jugendlichen durch Unfälle und Gewalt gefährdet. Nicht absehbar ist, welche langfristigen Folgen das Rauschtrinken auf die noch nicht abgeschlossene Hirnentwicklung hat, warnen die Experten.

S. Müller et al.:
Akute Alkoholvergiftung bei Jugendlichen.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (21): S. 1101-1105

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