Yoga und Ernährung – das perfekte Duo

Iris Lange-Fricke ist Ökotrophologin und Rezeptentwicklerin. Sie lebt in Hamburg.
Nicole Reese arbeitet als freie Autorin und Yogalehrerin in Hamburg.

Iris Lange-Fricke: Als ich fit, schlank und gelassener für meine Hochzeit werden wollte, übte ich verstärkt mit Nicole Reese Yoga. Ziel war es, meine Nervosität abzubauen und nebenbei noch etwas für meine Figur zu tun. Beim Üben spürte ich sofort, wie die Bewegung mit der Ernährung zusammenhängt. Hatte ich an manchen Trainings vorher nichts gegessen, war es schwierig, mit großem Hunger 60 bis 90 Minuten zu üben und durchzuhalten, da ich schnell erschöpft war. Trank ich kurz vorher noch Kaffee, konnte ich bei der Meditation nicht wirklich entspannen, war nervös und abgelenkt. Hatte ich zu schwer gegessen, war die Ausführung der Asanas und Atemübungen auch nicht optimal.

Ohne eine achtsame Ernährung lässt es sich schlecht üben und andersherum führt eine regelmäßige Yogapraxis zu mehr bewusstem Essen. Ohnehin ernähre ich mich gesund. Doch durch Yoga habe ich mehr Achtsamkeit erlangt. Essen ist viel mehr, als nur satt zu werden oder ein Geschmackserlebnis zu haben. Mir ist als Ökotrophologin auch eine gesunde und ausgewogene Ernährung wichtig. Auch mit einer gezielten Lebensmittelauswahl können bestimmte Befindlichkeiten positiv oder auch negativ beeinflusst werden. Kombiniert mit den entsprechenden Yoga-Übungen kann das eigene Wohlbefinden zusätzlich gesteigert werden. Besonders nach dem Training, wenn ich meinen Körper und meine Muskeln spürte, kam verstärkt der Appetit zu frischem Obst und Gemüse. Häufig bereitete ich dann gleich nach dem Training eine kleine Suppe, einen Drink oder Salat zu.

Nicole Reese: Auch meine Ernährung und mein Lebensstil veränderten sich, als ich vor circa zwölf Jahren anfing, intensiv Yoga zu praktizieren. Statt Pasta und Croissants kam immer mehr Gemüse auf den Tisch, ich hörte auf zu rauchen, trank kaum noch Alkohol – ohne das Gefühl zu haben, auf etwas zu verzichten, achtete ich automatisch mehr auf das, was mir guttut. Dieses Gefühl, diesen Zustand von Kraft, Energie, Leichtigkeit und Beweglichkeit, den ich durch Yoga aufbaute, wollte ich beibehalten. Mit der passenden Ernährung klappte es. Dazu gehört auch ein Eis im Sommer, Kaffee und auch Schokolade. Wird das aber zur Regel merke ich schnell, dass es mir die Energie raubt, die ich im Alltag brauche und ich wesentlich unruhiger und schwerfälliger bei meiner Yogapraxis bin. Ich komme konzentrierter und wesentlich entspannter durch den Tag, wenn ich morgens mit warmem Hirsebrei oder einem Smoothie starte, statt den ersten Heißhunger am Vormittag mit einem Croissant zu stillen.

Jeder ist einzigartig, hat seine eigene Konstitution und seine besonderen Bedürfnisse und Vorlieben. Doch häufig befinden wir uns in ähnlichen Lebenssituationen oder Lebensphasen, die uns aus dem Gleichgewicht bringen können. Mal ist man gestresst, läuft hochtourig und braucht Entspannung, oder man will entgiften, da man sich träge fühlt und übervoll. In dem Buch wollten wir diese speziellen Bedürfnisse abdecken und Anregungen bieten, diese Phasen, in denen wir uns nicht wohlfühlen, zu verändern und unsere Balance wieder zu finden. Mit gezielten Yoga-Übungen und Speisen, die eine bestimmte Wirkung haben, kann der jeweilige Zustand verändert und positiv beeinflusst werden.

So haben wir folgende Phasen ins Buch genommen:
DETOX entgiften und den Stoffwechsel anschalten
ENERGIE & POWER aufladen und vitalisieren
ENTSPANNUNG ankommen und loslassen
IMMUNSYSTEM aufbauen und stärken
STRESS ADE gelassen und konzentriert sein

Beispiel: ENERGIE & POWER aufladen und vitalisieren

Yoga hebt die Stimmung, Bewegung lenkt vom Grübeln ab. Herzöffner bringen Weite in den Brustkorb. Wirbelsäule mobilisieren: Hier sitzen Nervenbahnen, die über die Bewegung stimuliert werden. Energie kehrt zurück in den Körper.

Ernährung: Ingwer heizt von innen ein, die ätherischen Öle wirken beruhigend auf den Körper. Scharfmacher Capsaicin (Chilischote) regt den Stoffwechsel, die Fettverbrennung und das Gehirn an, lässt die Glückshormone Endorphine ausschütten. Kakao und Schokolade enthält die Aminosäure Tryptophan, ist wichtig für die Bildung von Serotonin und sorgt so ebenfalls für Glücksgefühle. Komplexe Kohlenhydrate transportieren die Gute-Laune-Aminosäure Tryptophan ins Gehirn, dort wird es zu Serotonin umgewandelt. Granatapfel, Beeren und Zitrusfrüchte, mit dem enthaltenen Vitamin C, pushen die Stimmung.

Yoga ist Selbsterforschung, Yoga macht Sie bewusster für das was Sie brauchen, auch beim Essen: Wann bin ich nervös und unruhig? Was löst Anspannung und Stress aus? Wie reagiert mein Bauch auf bestimmte Lebensmittel? Was gibt mir Energie, was macht mich nervös? Was, wann und warum esse ich? Bin ich erschöpft und brauche eigentlich Trost oder eine Pause, wenn ich zum Kuchen oder zur dritten Käsebrotscheibe greife? Yoga schult die „somatische Intelligenz“: Ihr Körper weiß selbst, wann und was er braucht. Hören Sie auf ihn!


Es gilt das gesprochene Wort.

München, 21. Juli 2015