Bauchschmeichler und Seelentröster: Low Carb für die Seele

Jasmin Mengele betreibt einen Versandhandel für Low-Carb-Produkte und Backwaren und ihr eigenes Café, die „Soulfood LowCarberia“ in Nürnberg.

Ich bin ein absoluter Genussmensch und eine riesengroße Naschkatze. Essen hat in meinem Leben schon immer eine sehr große Rolle gespielt, denn ich finde Nahrungsaufnahme, Genuss und Lebensfreude sind untrennbar miteinander verknüpft. Leider gehöre ich nicht zu den Menschen, die essen können, was und so viel sie wollen. An Reduktionsdiäten habe ich so gut wie alles ausprobiert. Egal wie sehr ich gehungert habe und wie oft ich Sport machte, der Jojo-Effekt hat jedes Mal wieder erbarmungslos zugeschlagen. Und ich wollte auch nicht permanent auf irgendetwas verzichten müssen. Da mir 1 StückCHEN Zartbitterschokolade am Abend oder 1 StückCHEN Kuchen im Monat nicht reichen, mussten Alternativen her. Ich war auf der Suche nach einer Ernährungsweise die genussvoll ist und zu mir passt. Ich habe dann beschlossen meine Ernährung auf LowCarb umzustellen. Ich habe begonnen meine Kohlenhydratzufuhr einzuschränken, und plötzlich hat‘s geklappt.

LowCarb bedeutet dem Körper nur noch wenig Kohlenhydrate zuzuführen, gleichzeitig aber die Fettzufuhr zu erhöhen und mit hochwertigem Eiweiß zu kombinieren. Das bewirkt zum einen, dass der Insulinspiegel konstant bleibt und wir keine Heißhunger-Attacken haben, zum anderen dass der Körper als Energiezufuhr statt der Kohlenhydrate die Fettreserven nutzt. Ich habe die besten Ergebnisse erzielt, indem ich meine persönliche Kohlenhydratgrenze bei 30g pro Tag festgelegt
habe. Als kleine „Faustformel“ kann man aber 20-100g KH am Tag nennen.

So sind meine Pfunde gepurzelt und ein wunderbarer Nebeneffekt: ich wurde fit wie nie, war sehr ausgeglichen und voller Energie. Und das eigentlich allerwichtigste: ich hatte wieder Spaß am Essen. In mir entstand der Wunsch, dieses wunderbare Lebensgefühl auch an andere Menschen weiterzugeben. So startete ich den Food-Blog „Soulfood LowCarberia“ um meine Erfahrungen und Rezepte zu teilen. Das bereitete mir so viel Freude dass ich mich entschloss, 2012 den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und habe in meiner Heimatstadt Nürnberg das erste LowCarb-Café Deutschlands eröffnet.

Viele Menschen verbinden LowCarb mit dem Konsum von riesigen Fleischbergen, 20 Eiern in der Woche, ein wenig Salat und vor allem: mit wenig Abwechslung. Aber genau das ist es nämlich nicht. LowCarb bietet eine unglaubliche Genussvielfalt. Auf dem Speiseplan stehen neben hochwertigem Fleisch (am besten aus Weidetierhaltung) Gemüse und Salat, Nüssen und Samen, vollfette Milchprodukte, Eier, hochwertige Öle und Fette und moderate Obstportionen. Lediglich beim Backen wird’s ein wenig spezieller: gewöhnliches Weizenmehl wird mit Nussmehlen ausgetauscht, anstatt Kristallzucker wird mit Zuckeralkoholen gebacken.

Das Buch „LowCarb für die Seele“ zu schreiben war eine Herzensangelegenheit für mich. Ich möchte damit Vorurteilen entgegenwirken und zeigen, wie einfach man LowCarb in den Alltag einbauen kann. Und ich wollte leckere, einfach umsetzbare Rezepte anbieten, für die man nicht viel Schnickschnack braucht. Nicht Gerichte, bei denen nur die Kohlenhydrat-Beilage weggelassen wird, sondern Gerichte, die wahres Seelenfutter sind. Essen soll ja schließlich nicht nur den Hunger vertreiben, es soll zufrieden machen, den Körper stärken, den Geist erfrischen und der Seele schmeicheln. bei denen keiner merkt dass sie LowCarb sind. Dafür habe ich neun Monate in meiner Küche daheim getüftelt und gewerkelt, mein Lebensgefährte Christian und meine Mama haben mir dabei treu zur Seite gestanden, viele Experimente verkostet und immer wieder Tipps gegeben, sodass zum Schluss 80 Rezepte im Manuskript standen.


Es gilt das gesprochene Wort.
München, 21. Juli 2015